Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
61 Als die Franzosen im Herbste 1744 gegen den Boden-See vorrückten, wurde der Auszug an die Grenzen gesendet, desgleichen wieder 400 Mann nach Constanz, welch letztere der Capitulation dieser Stadt rechtzeitig ent- giengen. Da später ein directer Angriff auf Bregenz drohte, wurde durch den Land-Obristen von Maynersberg auch der Landsturm einberufen und gelang es der festen Haltung desselben, einen am 30. October von Hörbranz aus unternommenen Angriff der Franzosen auf die Stellung bei Wasserburg- Bregenz abzuschlagen, und ihrem weiteren Vordringen Schranken zu setzen. Ebenso misslang ein Vorstoss" der Franzosen gegen den Sulz-Berg, wobei Schützen-Hauptmann Stockier sich auszeichnete1). Im Jahre 1796 wurde laut Beschluss des Landtages zu Bregenz vom 8. Juni der erste und zweite Ausschuss im Sinne der alten unverändert beibehaltenen Bestimmungen in der Stärke von je 3000 Mann einberufen, der Landsturm angewiesen, sich bereit zu halten. Ueberdies sollten noch Abtheilungen (Corps) von freiwilligen Schützen formiert werden, welche jedem Stande, aus dem sie sich stellten, heim Auszuge zugute gerechnet werden sollten. An Sold (Löhnung) sollte der Hauptmann 2 Gulden, der Oberlieutenant 1 Gulden 15 Kreuzer, der Lieutenant und Fähnrich 1 Gulden, der Feldwebel 48, Corporal 45, Scharfschütze 44, Militiot 40 Kreuzer täglich erhalten 2). Auch verpflichteten sich einige benachbarte ßeichsstände und Orte, ihre Aufgebote zu der Vorarlberger Landes-Vertheidigung stossen zu lassen, so Liechtenstein 120 (240) Mann, Ems, Lustenau u. a.3). Die Leitung der1 gesammten Land-Mili z wurde dem ständischen Präsidium (Kreis-Hauptmann Indermauer) übertragen, welchem ein engerer Ausschuss, bestehend aus Vertretern der grösseren Städte, zur Seite stand. Im Sinne der früher erwähnten Bestimmungen wurden vier Freiwilligen- (Schützen-)Compagnien formiert, und zwar je eine zu Bregenz, Feldkirch, Bludenz und Montafon 4). Diese 4 Compagnien, sowie ein Theil des Ausschusses, circa 800 Mann, rückten anfangs August aus und wurden theils zur Besetzung der von Bregenz bis gegen Isny sich hinziehenden Vertheidigungs-Linie, die aus einer Reihe neu angelegter Verschanzungen bestand, theils als Reserve für die im Lande stehenden kaiserlichen Truppen unter den Generalen Gr affen und Wolf verwendet. In den noch in demselben Monate stattgefundenen Gefechten in der Nähe von Bregenz hatten dieselben Gelegenheit, ihre Verwendbarkeit und Tapferkeit zu beweisen. Der Kriegslage und den weiteren Bewegungen der kaiserlichen Truppen entsprechend, waren in den folgenden Wochen mit Ausnahme der Schützen, welche beständig im Dienste verblieben, fallweise immer nur einzelne Theile der Ausschüsse oder des Landsturmes in Verwendung6), und wurden insbesondere letztere sofort wieder entlassen, wenn deren Mitwirkung nicht unbedingt erforderlich war. In den vom 25. bis 29. August bei Dornbirn (Lustenau) stattgefundenen Gefechten zeichneten sich die Rankweiler und Feldkirchner Compagnie unter Hauptmann von Wocher, dann die Ausschuss-Hauptleute Leiningen und Frick aus; ebenso die Bludenzer Compagnie unter Hauptmann Riedmüller in jenem bei Lauterach (16. September). Mit 10. October wurde auch der letzte Rest der Aufgebotenen, sowie die Schützen entlassen. *) *) Da kein reguläres Militär vorhanden war, die zu Hilfe gesendeten Tyr.oler Schützen bald wieder abberufen wurden, so waren die Vorarlberger ganz auf ihre eigene Kraft angewiesen. 2) Nach dem Recesse vom Jahr 1699 sollte die Besoldung, sobald das Aufgebot über zwei Tage an den Grenzen verwendet wurde, von Seite des Landesfürsten erfolgen. 3) Bitschnau, ,,Darstellung der merkwürdigen Begebenheiten der letzten französischen Kriege von den Jahren 1796, 1800—1805 in Hinsicht auf das Land Vorarlberg”, I. Band, Seite 87. 4) Später kam noch eine fünfte dazu, indem die Schützen vom Stande Rankweil sich von der Feldkirchner Compagnie trennten und eine eigene bildeten. 5) Auch die reichsunmittelbare Gemeinde Hohenems hatte im September eine Compagnie von 85 Mann aufgestellt.