Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

62 Alle jene, welche sich activ an der Landes-Vertheidigung betheiligt hatten, erhielten später, wie in Tyrol, die von Seiner Majestät gestiftete Denk­münze (Medaille), Hauptmann Battlog überdies eine goldene Ehren-Medaille als Auszeichnung. Im August 1798 wurden das erste und zweite Aufgebot wieder ein­berufen, die Compagnien formiert*) und in Ergänzung der bisherigen Be­stimmungen verfügt, dass der Landsturm nicht im ganzen Lande auf einmal, sondern je nach der Gefahr nur in den bedrohten Gerichten aufgerufen werden solle. Bis zur wirklichen activen Verwendung sollten die Compagnien nur die halbe Löhnung erhalten 2). Die Oberleitung des ganzen Aufgebotes sollte der jeweilige im Lande command] erende kaiserliche General übernehmen s). Das Commando über die oberständischen Land - Truppen wurde dem kaiserlichen Major Gerbert, jenes der unterständischen4) dem Rittmeister Loy übertragen. Dem Ober- Commandanten stand eine ständische Deputation mit berathender Stimme zur Seite. Für jede der beiden Haupt-Gruppen wurde ein Feld-Caplan und ein Arzt zugewiesen. In Bezug auf Adjustierung wurde bestimmt, dass jeder Mann mit einem kurzen grauen Rock mit grünen Aufschlägen versehen, und also gekleidet im Dienste erscheinen solle. Ausser diesen Vorbereitungen in Bezug auf die Aufgebote wurden diverse Punkte (Feldkirch, Rankweil, Bregenzer Klause) durch Anlage von Verschanzungen gesichert und in Vertheidigungsstand gesetzt. In Bregenz wurde überdies unter der Leitung des englischen Obersten Williams an der Organisierung einer Flottille auf dem Boden-See gearbeitet, welche aus einigen grösseren und kleineren, mit entsprechendem Geschütz armierten Schiffen bestand; die Bemannung wuirde in Bregenz und den um­liegenden Orten ausgehoben und dem Contingente der Ausschuss-Mannschaft zugute gerechnet. Schon während des Winters 1798 auf 1799 wurden Abtheilungen ein­zelner Compagnien zum Dienste bei Bewachung des Rheins beigezogen; bei dem allgemeinen Angriffe der Franzosen auf die kaiserlichen Truppen in den ersten Tagen des Monats März 1799 nahmen mehrere Compagnien mit Aus­zeichnung (insbesondere jene von Montafon) an den Kämpfen bei Feldkirch • (6-, 7. März) theil. Während der späteren glänzenden Vertheidigung der Stellung bei Feld­kirch (23. bis 25. März) durch FML. Jellacic5) hatten besonders dieBludenzer und Rankweiler Compagnien unter Riedmüller und Nachbauer Gelegen­heit sich auszuzeichnen8); gleichzeitig führten Abtheilungen der Bregenzer und Andelsbucher Compagnien gelungene Unternehmungen in der Nähe von Bregenz aus 7). In Anerkennung der guten Haltung der Vorarlberger Landes-Vertheidiger übernahm der Kaiser nunmehr die Vergütung der halben Löhnung für Schützen und Militioten vom Tage des Ausrückens an. r) Siehe Anhang Nr. 7. 2) Gebühren wie bisher, nnr sollte jeder Mann auch Lebensmittel (Fleisch und Brot) erhalten ; wo er dies in natura belsam, waren 16 Kreuzer von der Löhnung abzuziehen. Beim Landsturm sollte jeder Mann 30 Kreuzer täglich erhalten, jedoch keine Lebens­mittel. 3) Anfänglich war dies FML. Auffenberg, später FML. Hotze. 4) Zu den unteren Ständen (unterständischen Truppen) wurden mit Rücksicht auf die geopraphisehe Lage die Aufgebote von Bregenz, Hofrieden, Simmerberg. Grünenbach, Hochenegg, Aitenburg-Kehlhof, Sulzberg, Lingenau, Bregenzer Wald, Alberschwende, Dornbirn, Höchst, Fussach und Hofsteig gerechnet; jene der übrigen zehn Stände bildeten die oberständischen Truppen. 5) Wurde hiefür mit dem MTO. decoriert. 6) Ausser diesen nahmen an den Kämpfen dieser Tage noch die Feldkirchner, Klosterthaler, Rankweil-Sulzer und Nenzinger Schützen, die 1. Sonnenberger, 1. und 2. Jagdberger, die Rankweiler und Altenstädter Miliz-Compagnien theil. 0 Hiebei Oberlieutenant Feuerstein sich ausgezeichnet; 7 Mann erhielten Tapferkeits-Medaillen. O

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