Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Sicherheits-Truppen - III. Die k. ungarische Kronwache
090 Ausser Dienst war gestattet, statt der Grenadiermütze, die mit einem krapprothen Tuchsacke versehen war, Hüte zu tragen, 1779 wurden jedoch statt derselben Casquets bewilligt. Mit Tornister war die Mannschaft nicht betheilt, da sie „nicht zu marschieren braucht”'). Bewaffnet war die Krön wache mit Feuergew ehren und dem Grenadier-Säbel. Wenn der Hof in Pressburg residierte, was zu Lebzeiten Maria Theresia’s öfter der Pall war, war der Dienst dieser Wache ziemlich anstrengend, indem von derselben täglich 20 Wachposten beigestellt, und noch sonstige Dienste versehen werden mussten2); nach dem Tode der Kaiserin- Königin wurde dieser Dienst auf 9 Posten nebst 2 Ordonnanzen herabgesetzt. Ausserdem musste die Kronwache noch Geld-Rimessen nach Wien begleiten und während der Lager-Perioden den Garnisonsdienst versehen. Bezüglich der Auswahl der an die Kronwache abzugebenden Leute hatte eine Verordnung vom Jahre 1777 bestimmt, dass hiezu „mit keinem sichtbaren Gebrechen behaftete Inländer oder länger gediente Ausländer, so katholisch8) und gut conduisiert” sind, zu nehmen seien. Aus Ersparungs-Rücksichten wurde 1782 die Kronwache als solche aufgelöst, die Untauglichen in die Invaliden-Versorgung übernommen, die noch Tauglichen aber dem 2. Garnisons-Regimente incorporiert4) und nur von diesem ein Detachement von 2 Oberoflicieren (1 Hauptmann, 1 Lieutenant) und 60 Mann zur Bewachung der Krone nach Pressburg commandiert (die Mannschaft, wie bisher, je zur Hälfte aus Deutschen und Ungarn formiert). Dieser Stand wurde später auf 100 Mann erhöht; 1784 jedoch infolge Ueber- führung der Krone nach Wien dieses Detachement wieder eingezogen und die Kronwache sohin vorübergehend ganz aufgelöst6). Jedoch schon im Februar 1790 erfolgte, da mittlerweile die Krone sammt den übrigen Reichs-Kleinoden aus der kaiserlichen Schatzkammer in Wien in das königliche Schloss nach Ofen überführt worden war6), deren erneuerte Aufstellung, und zwar mit einem Stande von 1 Hauptmann, 1 Unterlieutenant, 1 Unter-Chirurg, 1 Feldwebel, 1 Fourier, 3 Corporalen, 1 Fourierschütz, 3 Spielleuten und 60 Gemeinen, welche wieder je zur Hälfte aus Deutschen und Ungarn zu bestehen hatten. Die Mannschaft war bei dieser ersten Aufstellung vornehmlich der zur Bedeckung des Haupt-Quartiers bestimmt gewesenen Grenadier-Compagnie zu entnehmen und eventuell durch solche zu ergänzen, welche bei Dissolvierung der früher bestandenen Kronwache in das 2. Garnisons- Regiment eingetheilt worden waren. Die weitere Ergänzung hatte in Hinkunft wie bisher durch Halb-Invalide der ungarischen Grenadiere zu erfolgen. Die Adjustierung wurde wie folgt festgesetzt: Grenadiermütze mit krapprothem Tuchsack’), dann Grenadierhut; Rock wie für die Invaliden (hechtgrau), nur mit weissen Boy gefüttert, dann krapprothem, offenen Kragen und Aufschlägen8) und gelben Knöpfen. Die Hose war lichtbau; in allem Uebrigen wie die Grenadiere der Feld- Regimenter9). Die Mannschaft erhielt ausser der normalen Friedens-Gebühr (nach dem Fusse für die deutschen Erblande) eine tägliche Zulage von 1 Kreuzer. Die dienstliche Stellung der Kronwache war die gleiche wie früher. Als ein besonderes Benefice wurde auch bewilligt, dass die ausgetragenen Montursstücke den Leuten der Kronwache für ihre Weiber und Kinder belassen werden durften. Und zwar: 2 Posten bei der Krone, 3 bei den Stiegen, 1 bei der Kapelle. 1 bei der Silberkammer, 1 bei dem Porcellain, 1 bei dem Wagen-Schupfen, 1 bei der Wohnung der Königin, 2 bei der Cassa, 3 bei den verschiedenen Thoren, 1 bei der Hauptwache vor den Gewehren. 1 bei dem Compagnie-Holz, 1 vor der Wohnung des ersten Kronhüters (damals Grafen Grassalkovics), endlich je 1 Ordonnanz beim zweiten Kronhüter und in der Kriegs-Kanzlei. 9 Eine andere Notiz desselben Jahres über denselben Gegenstand betont jedoch diesen Passus bezüglich der Iieligion nicht. 9 Diesem Regiment wurden stets die Halb-Invaliden aus dem Stande der ungarischen Regimenter überwiesen. s) K. A., H. K. R. 1784-16-222. «) K. A., H. K. R. 1790--21—9. 7) Beim Feldwebel mit vergoldetem Mützenschild geziert. Nach ungarischer Art gespitzt, jedoch ohne Litzen. ®) Tornister von Zwilch,