Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Sicherheits-Truppen - III. Die k. ungarische Kronwache

091 In dieser Verfassung blieb die k. ungarische Kronwache bis zum Jaliro 1849, iii welchem dieselbe infolge der politischen Ereignisse aufgelöst wurde'). Nur die Adjustierung war insoweit geändert worden, als mittlerweile für die Röcke die weisse Farbe vorgeschrieben wurde. 1861—1902. Mit Allerhöchstem Rescripto vom 6. April 1861 wurde die Wieder- aufstellung der k. ungarischen Kronwache mit einem Stande von 1 Haupt­mann, 1 Unterlieutenant, 1 Feldwebel, 3 Corporalen, 2 Tambours, 50 Gemeinen (Grenadieren) und 2 Officiersdienern angeordnet. Die Mannschaft war wie bisher aus Halb-Invaliden oder der Halb- Invalidität sich nähernden Leuten von tadelloser Conduite und erprobten loyalen Gesinnungen zu ergänzen; dieselben mussten eine Körpergrösse von mindestens 65 Zoll, dann gute militärische Haltung und mindestens sects Jahre gedient haben2). Ferner war diese Mannschaft nur aus dem Stande der ungarischen Infanterie-Regimenter zu nehmen und dabei zu beobachten, dass die eine Hälfte aus eigentlichen Ungarn, die andere aus Deutsch-Ungarn bestehe. In Bezug auf ihre specielle Dienstleistung unterstand die Kronwache wie bisher den beiden Kronhütem; in Hinsicht der Disciplin, Oekonomie, Gerichtspflege u. s. w. galten für dieselbe die allgemeinen Militär-Vorschriften, und war sie dem Landes-General-Commando in Ofen directe unterstellt. Seit dem Jahre 1872 ist die Kronwache dem k. ungarischen Landes- Vertheidigungs-Ministerium unterstellt. Sie wird aus dem Stande der k. ungarischen Landwehr-Infanterie ergänzt und bildet eine Militär-Abtheilung, welche ausser dem mit der Bewachung der Krone und Landes-Insignien zu­sammenhängenden Dienste, nach den neuesten organischen Bestimmungen (1896), noch zu den am Allerhöchsten Hoflager zeitweilig abgehaltenen Festlichkeiten und Ceremonien3), weiters zu den militärischen oder kirchlichen Festlichkeiten als Spalier oder Begleit-Detachement beigezogen werden kann. Zu anderen Festlichkeiten kann sie nur dann bestimmt werden, wenn durch deren Theilnahme die Hebung der Weihe eines Siegesfestes oder eines mili­tärischen Gedenkfestes bewirkt werden kann. Der Stand ist gegenwärtig mit 3 Offleieren4) und 56 Mann normiert. Die Officiere werden dem Stande jener in Local-Anstellungen entnommen. Sämmtliche Chargen tragen Feldwebels-, die Infanteristen die Zugführers- Distinction6) und werden als „Kronwach-Feldwebel, Kronwach-Infanterist u. s. w.” benannt. Die Dienstzeit in der Kronwache beträgt vier Jahre; der Aufzunehmende muss ledigen Standes sein, zwei Jahre activ gedient haben, gefälliges Aeussere, Gewandtheit im Benehmen, gesunden, starken Körperbau haben (Grösse nicht unter 170 Centimeter), endlich Kenntnis des Lesens und Schreibens in ungarischer und croatischer Sprache besitzen. Die Adjustierung der Kronwache gliedert sich in eine Parade- und Dienst-Uniform. Letztere besteht aus einem dunkelgrünen, verschnürten Attila (beim Officier Schnüre von Silber) und krapprothen Hosen; im übrigen wie die k. ungarische Landwehr-Infanterie. ’) Ludwig Kossuth hatte die Krone anlässlich der Räumung Ofens und des Rück­zuges hinter die Theiss mitgenommen und bei seiner späteren Flucht auf türkisches Gebiet in der Nähe von Orsova vergraben lassen; doch gelang es, im Jahre 1853 dieselbe wieder aufzulinden. 2) 1863 dahin geändert, dass nur eine vollstreckte dreijährige Dienstzeit hiezu er­forderlich war. 8) Zu solchen gehören das Geburts- und Namensfest Seiner Majestät, das St. Stephans­fest, das Frohnleichnamsfest der Katholiken, dann Hof- und Militär-Trauergottesdienste. *) Darunter 1 Verwaltungs-Officier (früher 2 Officiere. 15 Mann). s) Freiwillig weiter Dienende tragen gleichfalls die Feldwebels-Distinction. 44*

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