Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Sicherheits-Truppen - III. Die k. ungarische Kronwache
1751—1848. Schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden zur Bewachung der Krone des heiligen Stephan und der übrigen Kleinodien, welche auf der königlichen Burg in Pressburg verwahrt waren, eigene „Schloss-Soldaten” gehalten, von denen die eine Hälfte aus Deutschen, die andere aus Ungarn bestand. Auf dem unter Kaiser (König) Ferdinand II. im Jahre 1622 abgehaltenen Landtage wurde der Stand dieser Wache von 60 auf 100 Köpfe erhöht1). Diese Leute waren eigentlich nur eine Art Miliz, wurden nicht aus dem Stande der Armee genommen und es wurde auch nicht gefordert, dass dieselben früher beim Militär gedient hatten. Bei dem Umstande, als sie eine sehr geringe Bezahlung erhielten2), wogegen sie sich die Montur und alle übrigen Erfordernisse beschaffen mussten, war denselben gestattet, sich nebenbei ihren Unterhalt durch Betreibung verschiedener Handwerke zu erwerben. Im Jahre 1751 wurden an Stelle dieser Miliz zwei Compagnien aus dem Stande des Pester Invalidenhauses (je eine deutsche und ungarische) zu 60 Köpfen8) nach Pressburg gesendet und übernahm diese Abtheilung als „Königlich ungarische Kronwache” den vorerwähnten Dienst. Diese Kronwache unterstand in Ausübung ihres Dienstes den beiden k. ungarischen Kronhütern4), und musste der jeweilige Commandant bei seiner Ernennung vor einem derselben und in Gegenwart eines kaiserlichen Generals oder den oben genannten den Eid ablegen5). In Bezug auf militärische Disciplin, Wirtschaft und Verpflegung unterstand diese Abtheilung in erster Linie der Invaliden-Hof-Commission, in zweiter Linie dem Hofkriegsrath. ln Bezug auf Verseilung der Wachen und des inneren Dienstes unterstanden diese Compagnien dem Schloss-Hauptmann zu Pressburg, welchem gleichzeitig der Obristens-Charakter verliehen wurde. Im Jahre 1764 wurde der Stand dieser Compagnien auf je 80, 1766 auf 120 Köpfe erhöht, 1782 aber je um 1 Corporal und 10 Mann verringert und betrug derselbe daher 109 Köpfe. In Bezug auf Adjustierung wurde 1773 angeordnet, dass die Kronwache den Feld-Grenadieren vollkommen gleich zu halten sei, was sich hauptsächlich aber auf die Dauerzeit der Stücke und einzelne Begünstigungen bezog6). Die Kronwache trug graue Böcke mit krapprother Egalisierung und gelben Knöpfen, weisse (später lichtblaue) Beinkleider7). J) Dabei auch einige Officiere. 2) Die ganze von der ungarischen Hofkammer zu bestreitende jährliche Verpflegs- Gebühr für diese Wache betrug etwas über 8000 Gulden. 3) 1 Officier, 2 Corporale, 2 Spielleute, 8 Gefreite, 53 Gemeine. 4) Stets dem Magnaten-Stande angehörend. 5) Der Mannschaft wurde derselbe nur in Gegenwart des Kronwach-Commandanten abgenommen. 6) Das diesfällige Einschreiten war von der Kaiserin-Königin mit der Resolution signiert worden ,,sie zu halten wie die wirklich Dienenden, verdienen es”. 7) Die deutsche Compagnie erhielt auch tuchene Gamaschen. Geschichte der k. und k. Wehrmacht. V. Bd. 44