Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen
- 20 Je zwei Escadronen bildeten in tactischer Hinsicht eine „Division”, welche, da der Normal-Stand eines Regiments mit sechs Escadronen normiert war, als „Oberst”-, „Oberstlieutenants”- und „Majors-Division” bezeichnet wurden1). Bei den Carabinier-Regimentern kam noch eine vierte Division als „Ohevauxlegers-Division” dazu; bei den Husaren, welche gleichfalls acht Escadronen zählten, eine solche als „2. Majors-Division”* 2). Innerhalb der Divisionen wurden die Escadronen mit den Nummern 1 und 2 als: „Oberst-Division 1. Escadron” (später kurzweg „Oberst erste” genannt), „Majors-Division 2. Escadron (Majors zweite) u. s. w.) bezeichnet3). Im Kriege hatte jedes Regiment eine Reserve-Escadron aufzustellen, die Husaren überdies noch eine 3. Division. Der Kriegs-Stand der Feld-Escadronen verminderte sich bei den Cara- biniers und Cürassieren um sechs Gemeine, welche als Stamm an die Reserve- Escadronen abgegeben wurden4), bei den übrigen Reiter-Gattungen war er um zehn berittene Gemeine höher als der Friedens-Stand5). Jede Escadron hatte nunmehr von einem „Ersten Rittmeister” befehligt zu werden, welcher gleichzeitig einen der beiden Flügel commandierte; der andere Flügel wurde von dem „Zweiten Rittmeister” (Rittmeister en second)6) commandiert, welche Benennung die bisherigen Capitain- Lieutenants annahmen. Ausserdem hatte jede Escadron 2 Oberlieutenants, dann 2 Unter- li eutenants. An Chargen waren 2 Wachtmeister (für jeden Flügel einer), 8 Corporate und zwei Vice-Corporale systemisiert7). Die Zahl der Estandarten wurde vermindert und hatte nur noch jede Division eine solche zu führen. Die Estandarte-Führer erhielten in Folge dessen ihre Eintheilung beim Stabe. Bei gleichzeitiger Abschaffung der bisher von den Cürassieren und Husaren geführten Pauken8) giengen die Regiments-Pauker bei diesen ein, dagegen erhielt nunmehr jedes Cavallerie-Regiment einen „Stabs-Trompeter”. Die Dragoner verloren die Trommeln und erhielten gleichfalls Trompeten, daher statt des Tambours ein Trompeter im S'ande einer jeden Escadron geführt wurde. Die Charge der „Cadetten” wuidein ähnlicherWeise wie bei der Infanterie systemisiert, doch bestanden nur Privat-(Expropriis-)Cadetten. Die Unter-Chyrurgen wurden vom Stabe zu den Escadronen rücktransferiert, bei ersterem die Charge eines „Ober-Schmied” (Ober-Thierarzt) creiert. Im Kriegsfälle vermehrte sich das Personale des Regiments-Stabes noch um zwei Ober-Chyrurgen und einen Unter-Schmied (Unter-Thierarzt). Bei den 1788—1790 auf dem Kriegs-Schauplatze in Nieder-Ungarn verwendeten Regimentern gelangten per Escadron sechs berittene Schützen (Jäger)9) in Zutheilung. Dieselben erhielten eine Zulage und erscheinen solche hei den meisten Regimentern auch während des ersten Krieges gegen Frankreich noch in Verwendung. 1) Erstere wurde von dem ältesten Rittmeister, die übrigen von den betreffenden Stabs-Offieieren befehligt. 2) Bei diesen beiden Reiter-Gattungen war auch ein zweiter Major systemisiert. Vorübergehend (1773—1775) waren die Husaren-Regimenter auf den Stand von drei Divisionen herabgesetzt. 3) Vorüber geh end war ( 769-1770) die Benennung „Oberst-Division, rechte (linke) Escadron” u. s w. üblich. á) Dieselben wurden im Friedens-Stand als „supernumerär” geführt. 5) Details der sonstigen Standes-Verliältnisse siehe die einzelnen Reiter-Gattungen. 6) Mitunter erscheinen auch die Bezeichnungen : „Premier-und Second-Rittmeister” angewendet. 7) Letztgenannte Charge neu creiert; die sonstigen Personen der kleinen Prima- plana wie bisher. 8) Als eine weitere Folge dieser Verfügung entfielen nunmehr auch die Fahnen (Decken) an den Trompeten und wurden durch wollene Schnüre ersetzt. 9) Siehe II. Band, Seite 509. Bei den Cürassieren und Carabiniers waren sechs berittene Jäger per Escadron eingetheilt, bei den Dragonern, Chevauxlegers und Husaren je sechs Mann als Schützen mit gezogenen Carabinern betheilt.