Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen

- 21 ­Yon 1765 an wurden in Bezug auf Adjustierung, Ausrüstung und Be­waffnung eine Reihe von wichtigen Verfügungen erlassen, welche jedoch erst successive zur Durchführung gelangten und mit dem Jahre 1771 als ab­geschlossen betrachtet werden können. Nach dieser ersten vorhandenen, allerdings nicht als solche benannten ..Adjustierungs-Vorschrift”') bestand die Bekleidung und Ausrüstung der Reiterei im Wesentlichen nunmehr aus folgenden Stücken: Als Kopfbedeckung trugen die Cürassiere und Dragoner den Hut mit Federbusch, bei den Gemeinen nunmehr ohne Borten, jedoch mit wollenen, Seiten-Quasten aus Harras geziert, welche zur Unterscheidung der einzelnen Kscadronen voneinander verschiedenfarbig zu sein hatten2). Bei den Officieren und Unterofficieren bildeten die verschieden breiten Gold- oder Silberborten die Abzeichen der einzelnen Chargengrade. Bei den Chevauxlegers erhielten die Officiere gleichfalls den Hut, die Mannschaft trug Casquets mit Federbusch. Bei den Husaren wurden statt der Kalpaks Csakos (Csakelhauben)3) aus Filz mit Federbusch und Anhängeschnur eingeführt. Beim Offleier und Unterofficier waren dieselben mit Gold- oder Silberborten, bei der Mannschaft mit einem Band aus schwarzer Wolle (Barkány) eingefasst. Bei allen Kopfbedeckungen wurden zur Befestigung während der Attaque Hut-(Sturm-)Bänder angebracht. Statt des Radmantels erhielt die deutsche Cavallerie Roquelaurs von weissem Tuch, bei den Husaren erhielt der Mantel wieder die weisse Farbe. Die Röcke (das Röckel) waren bei den Cürassieren, Carabiniers und Dragonern weiss, bei den Chevauxlegers grasgrün, bei ersteren mit weissem, bei letzteren mit rothem Futter. Sie waren etwas länger als jene der In­fanterie, die Schösse beiderseits aufgeschlagen und mit Tuchstreifen in der Egalisierungsfarbe besetzt4!. Die Aufschläge und Kragen waren für je zwei Regimenter verschieden­farbig, jedoch nicht durch das Los, wie bei der Infanterie, sondern denselben ,,ausgetheilt”5). Ausserdem hatten sich die Regimenter noch durch gelbe oder weisse Knöpfe voneinander zu unterscheiden. Die Mannschaft aller Reiter-Gattungen erhielt statt der Camisole Leibein mit Aermeln in der Farbe der Röcke0). Tuchhose bei der deutschen Cavallerie weiss. ebenso die Westen der Officiere’); für die ganze Cavallerie wurden Ueberzughosen mit Knöpfen an den beiden Aussenseiten vorgeschrieben. Dieselben waren so gemacht, dass sie über die anderen getragen werden konnten und bei der deutschen Cavallerie aus Zwilch, bei den Husaren aus weissem „Kepernek” (Hallina oder slovakischem Loden) erzeugt. Bei den Husaren wurde nebst der Farbe der Pelze, Dolmans und Beinkleider (den sogenannten Hauptfarben)8), auch jene für die Säbeltaschen, Schnüre und Echabraquen, deren Bestimmung bisher den Inhabern überlassen war, vorgeschrieben9). *) K. A., Karten-Abtheilung, .Militär-Oeconomie”. 2) K. A., H. K. R., Reg. 1767-88-132 April. Nach der obencitierten Vorschrift scheinen diese Quasten auch von den Wachtmeistern und zwar aus Kameelhaar und von den Corporalcn aus Harras getragen worden zu sein. 8) Ursprünglich bei allen Regimentern schwarz, später in verschiedenen Farben. 4) Bei den Chevauxlegers entfielen diese Streifen. 6) K. A.. Mémoiren 1765, Will. 37. 6) Waren für die Gemeinen aus alten Röcken zu erzeugen. Theilweise erscheinen solche schon nach dem Aachener Frieden, jedoch nur bei den Cürassieren unter dem Namen ..Cürassleibel”. 7) Mitunter w'ird für beide als Farbe ,.paillegelb” genannt. 8) Als solche wurde nicht nur blau, sondern auch grün in verschiedenen Nuancen bestimmt. (Siehe auch: Husaren.) 9) K. A.. H. K. R. 1767-38-132 April. Nach einem Rescripte vom Jahre 1765 (K. A , Memoiren, VIII, 37) blieb der Willkür der Inhaber noch anheimgestellt und zwar: a) bei der deutschen Cavallerie : Die Fa$on der Knöpfe, der Officiers-Hüte und Echabraquen, dann der wollenen oder kameelhaarenen Borten, sodann die Auswahl der Farbe des Tuches zu den Officiers- und Mannschafts-Echabraquen, sowie zu den Mantelsäcken; 0) bei den Husaren: die Farbe des Tuchsackes am Kalpalc, der Schnüre, Gürtel, Säbeltaschen, Echa­braquen. kleinen Aufschläge am Dolman, der Csismen. des Lederwerks, Beschlages und Montierung des Seitengewehres, der Echabraquen und des Reitzeuges. Durch spätere Bestimmungen wurden jedoch obige Begünstigungen successive nahezu gänzlich auf­gehoben.

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