Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Entwicklung der einzelnen Reiter-Gattungen im kaiserlichen Heere
- 8 — Dabei kam jedoch noch mitunter immer eine Vermischung dieser beiden Reiter-Gattungen innerhalb eines Regiments, ja selbst innerhalb der Unter- Abtheilungen vor1). Von 1623 an traten als neue Reiter-Gattung auch die „Dragoner” (Draconen) auf. Dieselben erscheinen jedoch anfänglich zumeist nur in einzelnen Compagnien und zwar entweder a's selbstständig aufgestellt (geworben), oder als Bestandtheil irgend eines Cürassier- (Arquebusier-) Regiments, wo sie durch den betreffenden Obristen, gewöhnlich als Leib-Coinpagnie, dazu geworben wurden* 2). Erst vom zweiten Generalate Waldstein’s an werden auch Dragoner- Regimenter, jedoch zumeist mit einem sehr schwachen Stande (drei bis fünf Compagnien) formiert. Die Dragoner waren ursprünglich nur eine Art berittener Infanterie, mit der Muskete bewaffnet3) und hauptsächlich zur Führung des Feuergefechtes zu Fuss auf solchen Puncten bestimmt, welche von der Infanterie nicht rechtzeitig erreicht werden konnten und zählten zur leichten Reiterei. Später wurden sie jedoch, wie die Cürassiere, auch für den Kampf zu Pferd verwendet, blieben jedoch mit leichten Pferden betheilt4). Den Dienst der leichten Reiterei mit Bezug auf Yersehung des Sicher- heits- und Nachrichtendienstes, sowie Führung des kleinen Krieges überhaupt, versahen im 30jährigen Kriege vorwiegend die irregulären Schaaren der durch Werbung in Ungarn und seinen Nebenländern (Croatien u. s. w.) aufgebrachten Reiter, welche anfänglich unter dem Gesammtnamen „Croaten” auftraten, doch kam für die ausschliesslich in Ungarn geworbenen, im Vereine mit kaiserlichen Truppen auftretenden Reiter-Abtheilungen bereits der Name „Husaren” vor. Endlich standen insbesondere zu Waldstein’s Zeiten (theilweise auch früher), auch leichte polnische Reiter, „Polaken” (Kosaken) genannt, in den Reihen des kaiserlichen Heeres. Diese Abtheilungen traten entweder unter ihren Anführern (Obristen) in kaiserlichen Dienst, waren also in diesem Falle mehr eine Truppe in kaiserlichem Solde5), oder dieselben wurden durch Werbung auf kaiserliche Patente von den betreffenden Obristen aufgebracht, dienten aber zumeist nur einige Monate und wurden mit wenigen Ausnahmen am Schlüsse des betreffenden Feldzugs-Jahres wieder abgedankt6). Der militärische Werth dieser, im Uebrigen wie die Croaten verwendeten Truppen, war jedoch sowohl vor dem Feinde, als was die Disciplin anbelangt, ein sehr geringer. Die nach Durchführung der Armee-Reduction in den Jahren 1649/50 auf dem Fusse stehen gebliebenen neun Regimenter zu Ross, wie die Cürassiere kurzweg genannt wurden und ein Dragoner-Regiment7), bildeten nunmehr den Stamm an Reiterei des sich von diesem Zeitpuncte an entwickelnden stehenden kaiserlichen Heeres und unterschied man in demselben, nachdem die Arquebusiere, wie später eingehend geschildert werden wird, mittlerweile eingegangen waren, nur zwei Reiter-Gattungen: die Cürassiere und Dragoner. *) So z. B. Patent für Obrist Max Liechtenstein auf 500 Cürassiere und Arquebusiere (K. A.. Bestallungen 1621, 1061); für Rittmeister Seyfried Breun er auf eine Compagnie Reiter, bestehend aus 100 Arquebusieren und 50 Cürassieren (K. A.. Bestallungen 1621, 1051) u. s. w. 2) In der zweiten Hälfte des mehrfach erwähnten Krieges werden Dragoner- Compagnien vielfach als Leibgarden höherer Generale aufgeführt. :t) Ihre erste Anwendung kommt in den niederländischen Kriegen am Ende des 16. Jahrhunderts vor; der Name Dragoner als Reiter-Gattung wurde jedoch in der französischen Armee zuerst angewendet. 4) Im 19. Jahrhundert zählten die Dragoner zur schweren Cavallerie. 5) Siehe II. Band, Seite 595. 6) Meutereien unter denselben waren nichts Seltenes und erklärte Waldstein wiederholt: ..dass man froh sein müsse, ihrer los zu werden”. 7) Siehe auch I. Band, Seite 13, 30 und 34.