Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Entwicklung der einzelnen Reiter-Gattungen im kaiserlichen Heere
— 9 — Wenn auch die Zahl der stehen gebliebenen Regimenter nahezu die gleiche war, wie jene der Regimenter zu Fuss (9), war doch hei letzteren der Stand ein viel höherer und bezifferte sich das Yerhältniss der beiden Haupt- Waffengattungen um diese Zeit wie 1:2'). Während des Krieges gegen die Türken in den letzten Decennien des 17. Jahrhunderts wurden durch Kaiser Leopold I. zwei reguläre „Husaren- Regimenter” errichtet, welche nunmehr die dritte Reiter-Gattung bildeten und an Steile der zumeist nicht mehr in den Reihen der Feld-Armee zur Verwendung gelangenden Croaten den Dienst der leichten Reiterei übernahmen* 2). Anlässlich der Kriegsrüstungen im Jahre 1715 wurde bei jedem Cürassier- Regimente eine Carabinier-Compagnie mit der Bestimmung für das Feuergefeoht zu Pferde aufgestellt; ebenso bei jedem Dragoner-Regimente eine Grenadier-Compagnie3), welche sowohl für den Kampf zu Pferde, als für jenen zu Fuss (Werfen der Handgranaten) bestimmt war. Als diese Abtheilungen im Jahre 1768 von den Regimentern abgetrennt und aus denselben zwei selbstständige „Carabinier-Regimenter” formiert wurden, zählten dieselben ihrer Bestimmung nach zur schweren Reiterei. Diese Regimenter wurden jedoch schon 1798 in Cürassiere umgewandelt. Mittlerweile war in den ersten Jahren des siebenjährigen Krieges bei der deutschen Reiterei, worunter man zum Gegensätze von den Husaren (der ungarischen Reiterei), die sich aus den Erblanden und im Römischen Reiche ergänzenden Cürassiere und Dragoner verstand, in den „Chevaux- legers” (leichte deutsche Reiter) eine neue Reiter-Gattung geschaffen worden, welche zumeist durch Umwandlung von Dragoner-Regimentern in solche entstand und bildeten die Dragoner, mit Ausnahme der Periode 1798 bis 18 >1, in welcher sie zur leichten Cavallerie gerechnet wurden, nunmehr ein Mittelglied zwischen dieser und der schweren. Eine weitere Vermehrung erhielt die leichte Reiterei gegen Ende des vorigen Jahrhunderts durch die in Oesterreich nach der Erwerbung von Galizien neu eingeführte Reiter-Gattung der „Uhlanen”. Ihre Hauptwaffe bildete die Lanze (Pike). Im Jahre 1798 wurde auch ein „Jäger-Regiment zu Pferd” formiert, welches aber schon 1801 (1802) wieder aufgelöst wurde und überhaupt nicht als Vertreter einer eigenen Reiter-Gattung angesehen werden kann. Im Jahre 1857 wurde in Oesterreich vorübergehend für den Kriegsfall die Aufstellung leichter Reiter-Divisionen als „irreguläre Cavallerie” angeordnet. Dieselhe hatte theils aus den durch freiwillige Werbung aufgebrachten Abtheilungen, welche normalmässig die Stärke einer Division haben sollten, theils aus den bei den damals bestandenen National - Grenz - Infanterie- Regimentern organisationsmässig aufzustellenden „leichten Reiter-” und „Serezaner-Divisionen”4 * *) gebildet zu werden. x) Während im Mittelalter die Reiterei die vorherrschende Waffe war, verlor die ' selbe zur Bliithezeit der Landsknechte bedeutend an Werth, gelangte jedoch im 80jährige11 .Kriege wieder zu erhöhter Bedeutung (Verliältniss nahezu 1:1). Vom 18. Jahrhunde an änderte sich dieses Yerhältniss wieder zu Ungunsten der Reiterei, es sank auf 1 : bis 1 ; (i herab und beträgt gegenwärtig im k. und k. Heere 1 : 10. 2) In Folge Organisierung der Militär-Grenz-Gebiete gelangten die Croaten nur noch als Th eile derselben, als Grenz-Miliz und vorwiegend nur zur Vertheidigung des eigenen Heimaths-Gebietes zur Verwendung. 3) K. A., H. K. R. 1715, October 271/1. Reg. Die in einigen Werken enthaltene Behauptung. dass diese Aufstellung schon 1711 erfolgt sei, beruht auf einem Irrthume und wird durch den citierten Act widerlegt. 4) Von den bestandenen 14 Regimentern hatte die eine Hälfte (die aus den gebirgigeren Gegenden sich recrutierenden) Serezaner, die andere die leichten ReiterDivisionen beizustellen.