Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Aufbringung und Ergänzung der Cavallerie
Aufbringung und Ergänzung der Cavallerie. Aufbringung des Mannschafts-Standes (Recrutierung). A. Die Reisigen. Der Verfall des mittelalterlichen Lehenswesens, die Schwerfälligkeit und Schwierigkeit, welche dieses zeigte, wo es sich um rasche Aufbringung und Vereinigung der Contingente für und nach einem bestimmten Kriegs-Schauplatz handelte, nicht minder das starre Festhalten der Landes-Aufgebote an ihrem Rechte, nur bei Vertheidigung des eigenen Landes mitzuwirken, musste dazu führen, mit den althergebrachten Traditionen der Heeres-Aufbringung zu brechen. Die stets drohende Türkengefahr, welche einerseits zahlreichere, andererseits möglichst rasch zur Verfügung stehende, kriegsgeübte Reiterschaaren verlangte, hätte gewiss schon im 16. Jahrhunderte zum stehenden Heere geführt, wenn nicht, wie stets, der Geldmangel hemmend und hindernd in den Weg getreten wäre. Wieder war es dem Kaiser Maximilian I. Vorbehalten, mit dem alten Herkommen zu brechen, neuen Ideen und Satzungen Raum und Geltung zu schaffen. Schon 1198 schuf er mit der Institution der Kyrisser und 1514 mit der beabsichtigten Errichtung einer Garde die Elemente und den Beginn eines stehenden Heeres, doch hatte erstere nur kurzen, letztere keinen Erfolg. Der Kaiser wandte sich nun einer anderen Art der Heeres-Aufbringung zu und suchte dieselbe durch Regenerierung und Erweiterung der bestehenden Institution der Landes-Aufgebote zu erreichen, nachdem er vorher 1503 von den Ständen Inner-Oesterreichs die permanente Aufbringung von 1000 Reitern und 6000 Mann Fussvolk vergeblich gefordert hatte. In Verwirklichung dieses Zweckes schuf der Kaiser, nachdem er schon 1511 das Tiroler Libell creiert hatte, 1518 das Innsbrucker Libell, welches als erste Enunciation des österreichischen Staatsgedankens anzusehen ist, indem es die Verpflichtung der Hilfeleistung aller Länder bei Bedrohung des einen anerkannte und gesetzlich feststellte. Dieses Innsbrucker Libell repräsentierte damit einen bedeutenden Fortschritt in der Raschheit, Zuverlässlichkeit der Aufbringung und der Stärke des Heeres. War auch der Gedanke eines stehenden Heeres in demselben nicht ausgesprochen, so war doch eine entschiedene Wendung hiezu darin enthalten, dass dadurch im Lande ständige Kriegsräthe unter einem Landes-Feidhauptmann geschaffen wurden. Für die Folge konnte das Innbrucker Libell weder durch das Ausmass an Leuten, noch durch die Art der Aufbringung ausreichend sein und so sehen wir mit der Entwicklung des Söldnerwesens benn Fussvolke, bald auch jene bei der Reiterei Hand in Hand gehen.