Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die Chargen und ihre Obliegenheiten
93 Der Scharfrichter und die Steckenknechte waren ihm als ..seine Leute” (cum suis) unterstellt1). Er überwachte die Reinlichkeit in Kasernen, Lagern u. s. w., sowie den Marketender in Bezug auf Mass und Gewicht. Er musste ein vorzüglicher Unterofficier sein und konnte zum Lieutenant befördert werden* 2). In Folge Aufhörens der Inhabers-Hechte und Reorganisierung des Gerichtswesens überhaupt, wurden die Regiments-Gerichte, somit auch die Regi- ments-Stockhäuser aufgelassen, ebenso die Charge der Profossen bei den Regimentern. Die Profossen waren ursprünglich nach Belieben der Inhaber gekleidet und trugen später bei der deutschen Cavallerie die Adjustierung ihres Regiments (wie der Wachtmeister), jedoch als Kopfbedeckung den glatten dreieckigen Hut; bei den Husaren und Uhlanen waren sie, wie jene der Infanterie, mit einem blauen Rock mit krapprother Egalisierung und weissen (bei Husaren lichtblauen) Beinkleidern beldeidet, nur trugen sie auch den Cavallerie-Säbel (Hut wie oben). 1840 wurde für dieselben der dunkelblaue Rock mit krapprother Egalisierung und mohrengraue Pantalons vorgeschrieben. Von 1850 an war für alle Profossen der dunkelblaue Waffenrock mit scharlachrother Egalisierung und gelben Knöpfen, dann blaugraue Pantalons vorgeschrieben ; Hut mit Federbusch. Der Regiments-Pauke r(HeerpaukerVFür diese erst nurbeidenCürassieren, später auch bei den Husaren systemisierte Charge galten im Allgemeinen ähnliche Obliegenheiten, wie selbe später für den Regiments-Tambour bei der Infanterie vorgeschrieben waren, nur dass ihm auch noch die Obsorge für sein Instrument oblag. Nach Abschaffung der Pauken (1769) wurde bei jedem Regimente, mithin nunmehr auch bei den Dragonern, statt der obigen, die Charge eines Stabs-Trompeters creiert. Da derselbe öfters in Gelegenheit kommen konnte, zum Feinde geschickt zu werden, so war die Kenntniss mehrerer Sprachen für denselben von Nutzen. Ausser in diesen Fällen sollte er nie vom Regimente detachiert werden, ausser in Begleitung des Obersten, dem er in allen Gelegenheiten an der Hand zu sein, und welchen er, am allerwenigsten aber in der Attaké verlassen durfte. Seit 1869 ist für diese Charge die Benennung Regiments-Trompeter normiert und steht derselbe wie bisher in der Wachtmeisters-Charge. Seit 1806 sind auch Divisions-Trompeter, gegenwärtig mit Zugsführers- Rang, systemisiert. Die Stabs- und Divisions-Trompeter müssen nebst den Eigenschaften eines tüchtigen Unterofficiers die Geschicklichkeit verbinden, die Signale zu Pferd in allen Gangarten richtig zu blasen und die untergebenen Trompeter darin zu unterweisen. Die Pauker waren in den älteren Zeiten mit einer zumeist mit Stickereien gezierten, ziemlich bunten Adjustierung, nach dem Belieben des jeweiligen Inhabers gekleidet. Die späteren Stabs-Trompeter trugen die Uniform ihres Regiments, nur zur Unterscheidung eine Art von Epauletten aus weissem Tuche (Schwalbennestern) auf beiden Achseln3). Nach 1798 trugen sie, wie alle Trompeter, statt der schwarzgelben eine rothe Kammquaste am Helm, bei den Husaren und Uhlanen einen rothen Federbusch, beziehungsweise Rossbusch. *) Diese waren nnobligat und zählten nicht auf den Stand des Regiments. 2) Siehe im Uebrigen auch I. Band. Seite 76. s) Eine Art Gala-Uniform, ähnlich wie selbe für die Mannschaft der Regiments- Musik bei der Infanterie erlaubt, beziehungsweise später vorgeschrieben war (I. Band, Seite 78), scheint auch für die Trompeter bestanden zu haben (Adjustierungs-Vorschrift 1798), doch sind Details über dieselbe nicht vorhanden, da bei der Cavallerie überhaupt keine organisationsmässigen MusiUbanden bestanden.