Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Heiliger von Reningen. 91 hätten und weiter nicht Zusehen könnten, dass Andere, so nur nach eigenem Nutzen trachteten, solches zugrunde gehen lassen; begehrten desswegen des Gross-Yeziers und des Mufti Kopf. Der Sultan wollte es nicht verstehen, schickte ihnen zwei Hatti-Scherifs, einen nach dem anderen, in der Meinung, sie würden sich zurückbegeben, es könnte auf andere Weise remediert werden, im Falle es nicht recht zugienge ; worauf die Miliz dem Sultan wiederum sagen lassen, er sollte dies- orts keine Difficultät machen, sonst möchte es um ihn selbst gefährlich stehen. Endlich war der Gross-Vezier Ipsir Pascha stranguliert und sein Kopf der Miliz geschickt, der Mufti aber samrnt seinem Sohne in’s Exil relegiert worden. Noch selbe Nacht hatten die Janitscharen auch des Mufti Haus geplündert; sie hatten zwar mehr andere Prätentionen gemacht und etliche Eunuchen aus dem Serail begehrt, so jedoch vermittelt worden; solchergestalt waren auch diese Rumore gestillt und dem Murad Pascha, welcher schon vorhin in diesem Posten gewesen und sotto mano meisterlich zu dieser Revolution geholfen, zum anderen Mal das Gross- Vezierat aufgetragen worden. Anno 1655 war ein polnischer Internuntius und wenige Tage hernach auch ein kosakischer Abgesandter angelangt. Des polnischen Internuntius Anbringen bestand in dem, man wolle der Krone Polen die Tataren, Siebenbürger, Walachen und Moldau zu Hilfe lassen, denn der Moscoviter sei über etliche wenige Victorien so übermüthig geworden, dass er sich öffentlich vernehmen lasse, er wolle das griechische Reich wieder hersteilen, hätte auch zu diesem Ende bereits etliche griechische Mönche ausgeschickt, welche das griechische Volk sotto mano dahin vermögen sollten, dass, sobald er mit seiner Kriegsmacht vorbeikäme, Alles immediate sich sublevieren und zu den Waffen greifen sollte; dieses könnte umso viel leichter geschehen, weil ihn die Kosaken bis an die Grenze führen können, man sollte dem Himilzki und seinen Gesandten nicht so viel trauen, denn er sei ein falscher Mensch, welcher von seinem Könige und Herrn abgefällen und eben