Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

9 2 V e 11 z 6. damals, als er seine Abgesandten an der Pforte gehabt, andere zum Moscoviter geschickt und dessen Protection sich ergeben. Der kosakische Abgesandte hielt an, die Pforte wollte die Kosaken in die Protection nehmen, ein Diplom hierüber erfolgen lassen und die Tataren dahin bescheiden, dass sie die gute Correspondenz mit den Kosaken continuierten, welche wieder der Pforte Gehorsam leisten, mit etlichen tausend Mann wohin es von Nöthen, allezeit parieren und keine Tschaiken auf das Schwarze Meer auslaufen wollten lassen. Die Pforte hatte sich abermals nicht eigentlich erklärt, sondern beide Gesandte simpliciter mit freundlichen Schreiben entlassen und sowohl zum Kosaken, als nach Polen einen Tschauschen mitgeschickt, im Uebrigen aber dem Tataren-Chan anheimgestellt, wie er sich gegen ein- und anderen Theil verhalten sollte. Wider den Gross-Vezier Murad Pascha ereigneten sich inzwischen unterschiedliche Widerwärtigkeiten, denn er hatte die vornehmsten Eunuchen im Serail zu Feinden, welche ihm imputierten, dass er die Revolution wider den Ipsir Pascha angesponnen, nichts Gutes im Sinne und den Sultan von seinem Throne zu heben gedenke, allermassen er an dessen Vaters, Sultan Ibrahim’s Tode Ursache gewesen, welches er zwar mit einem Juramen,t auf den Alcoran so weit abgelegt und den Sultan dahin beredet, dass er zwei Eunuchen, nämlich seinen Pädagogen und seinen Schatzmeister nach Cairo rele­giert ; so war obberührter Hassan Aga, welcher vorhin Capo einer Revolution in Asien gewesen, mit etlichen tausend Mann, wiederum nach Scutari gekommen und hatte wissen'wollen, warum der Ipsir Pascha sterben müssen und weil die Jani- tscharen aus Anstiftung des Murad Pascha, des Ipsir Pascha Kopf begehrt, als Begehr auch seinen Kopf verlangten; im Uebrigen wären er und alle seine ünterhabenden des Sultans gehorsam getreue Sclaven und hätten wider dessen kaiserliche Person gar kein feindliches Absehen. Der Gross-Vezier wollte diesem mit Gewalt begegnen, der Mufti wollte aber seinen Consens nicht dazu geben, noch zulassen, dass so viel unschuldiges Blut vergossen und die Türken untereinander sich niedermachen sollten.

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