Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Heiliger von ßeningen. ST die Confirmation für den jungen Räköczy richtig gewesen und des Sultans Obrister Truchsess mit Kaftan, Standarte und Säbel hinüber nach Siebenbürgen geschickt worden. Dazwischen war der französische Botschafter de la Haye, welcher nach des venezianischen Abgesandten Abreise der Republik Negotien geführt, sehr beschäftigt, wie er einen anderen venezianischen Ambassadeur an die Pforte bringen möchte, hatte auch einen Dolmetsch zu diesem Ende nach Venedig expediert und vom Frieden so gute Hoffnung gemacht, dass die Republik den Johann Capello für einen ausserordentlichen Ambassadeur abgeordnet; es hatten aber die Türken gegen den französischen Botschafter immerfort protestiert, er solle ihn nicht kommen lassen, er bringe denn die Schlüssel zu Candia, welches er, Botschafter, zwar nicht versprechen wollte; ihm sei allein so viel bewusst, dass der Ambassadeur mit dieser Intention komme, damit der Friede und die alte Freundschaft zwischen der Pforte und Venedig wiederum erhoben und restabilitiert möchte werden; sein König als beiderseits guter Freund, werde sich in’s Mittel legen und er wollte an sich auch nichts fehlen lassen, damit Alles mit beiderseitigem Contento zu einem gewünschten Ausgange gelangte. Worauf man einen Tschauschen nach Cattaro, allwo der Capello interim gewartet, geschickt, welcher ihn nach Constantinopel geführt. Den 20. Januar 1653 war er zu Constantinopel angekommen und ohne Ceremonien nach Pera in das gewöhnliche Logement geführt worden. In der ersten Audienz hatte er blos die Curialien abgelegt und vom Gross-Vezier zum Bescheid gehabt, er sollte sein Anbringen schriftlich einreichen, welches in Substanz dahin gelautet, die Pforte sollte Canea, Rethymnon (Retimo) und consequenter die Insel Candia abtreten, während die Republik Lissa und andere abgenommene Orte in Dalmatien restituieren, die Kriegs-Unkosten von drei Jahren ersetzen und von Candia jährlich einen Tribut liefern wollte; worüber die Türken gelacht und vermeint, man ten- tiere sie nur, sintemal sie genugsam protestiert, der Ambassadeur ohne Schlüssel zu Candia nicht kommen sollte; Hessen den französischen Botschafter rufen und wollten von ihm