Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

88 V e 11 z e. wissen, iveil er ein Mediator gewesen und so viel Gutes ver­tröstet, was es mit den Tractaten für eine Beschaffenheit? Ob man Candia cedieren wolle? »Ich glaube nicht«, sagte der französische Botschafter, man werde hoffentlich auf andere Weise ein Mittel finden können; worauf der Gross-Vezier ihm spöttlich zugeredet und ihn schimpflich abgeschafft. Es war schon ziemlich spät, nichtsdestoweniger musste auch der Capello alsbald zur Audienz und als er gesagt, dass er wegen Abtretung Candia’s keinen Befehl, sondern der Pforte auf andere Weise Satisfaction zu geben bevollmächtigt, ob es sich nicht etwa mit einer Summe Geldes thun liesse? »Was Geld?« sagte der Vezier, er werde wegen Geld seinen Kopf nicht in Gefahr setzen, ob man denn nicht gewusst, worauf die Pforte beruhe? Man hätte sich besser bedenken, nicht gleich simpliciter eine so weite Reise anstellen und den armen Leuten allerseits umsonst vom Frieden gute Hoffnung machen sollen, redete auch ihm, Capello, spöttisch zu und schaffte ihn mit diesem ab: »Fort, fort mit Dir, eben den Weg, als Du hergekommen«; da hatten ihn die groben Tschauschen gleich mit einer Furie über die Stiegen hinuntergeführt und war ihm noch selbige Nacht ein Befehl zugekommen, dass er sich sammt den Sei- nigen von Stunde an aufmachen und seinen Weg wiederum zurücknehmen sollte, alles mit einer Furie und Confusion. Zu Adrianopel hatte man ihn hernach aufgehalten und in einen Han eingeschlossen; also hatte die venezianische Botschaft innerhalb acht Tagen ihren Einzug, Bescheid und Abzug gehabt, so Alles dem französischen Botschafter im- putiert worden, welcher sowohl die Republik, als die Pforte übel informiert und sich eingebildet, dass mit Ankunft eines Ambassadeurs imzweifelhaft der Friede erfolgen sollte. Im Monate März hernach waren zwei kosakische Abge­sandte angelangt, deren Anbringen in dem bestanden: Die Pforte solle ihnen Siebenbürgen, Walachei, Moldau und den Pascha in Silistria zu Hilfe erlauben, sie wollten dagegen wie getreue Vasallen und Unterthanen, wohin es von Nöthen, mit 20.000 Mann zu der Pforte Diensten sein, den Tschaiken das Streifen auf dem Schwarzen Meere verwehren und zu einer

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