Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Reniger von Reningen. 101 erlösen, welches umso viel mehr zu beobachten, weil in Moldau, Walachei, Bosnien, Albanien, Thrakien und Makedonien so viele Griechen, welche, sobald er mit einer Armee in der Nähe wäre, sich gleich erheben würden, wie er dann zu diesem Ende mit dem deutschen Kaiser conföderiert gewesen, weil dieser aber mit Tod abgegangen und Deutschland in lauter Confusion, so sei desshalb nichts zu besorgen; im Uebrigen offerierte Raköczy von dem, was er in Polen occupiert, einen jährlichen Tribut von 40.000 Thalern, welche er auf drei Jahre anticipando zu liefern versprochen. Des schwedischen Abgesandten, welcher allerseits neben dem siebenbürgischen im Divan und zur Audienz introdu- ciert worden, Anbringen war in Substanz: In Europa wäre unter anderen eine Religion, die man Papisten nenne; das Haupt, ein Pfaffe oder Mönch, residiere zu Rom und dies sei der Papst, welchen die Papisten als einen Gott verehren; diese trachten einzig und allein dahin, wie sie Die, so nicht ihres Glaubens, unterdrücken und mit Gewalt auf des Papstes Seite bringen möchten; desshalb habe der vorige König von Schweden in Deutschland so lange Krieg geführt, so viele Victorien erhalten und eben desswegen habe auch der jetzige König sich wider Polen moviert, allwo ihm Alles so glücklich von statten gehe, dass die Polen weiter nicht wüssten, was sie anfangen sollten. Sie hätten den Deutschen ihre Krone angetragen, welche aber vor den Schweden sich dermassen fürchteten, dass sie solche nicht acceptiert und mit den Schweden weiter nichts zu thun wollen haben. Der Mosco- witer, obwohl er mit den Papisten in der Religion nicht allerdings übereinstimme, sei doch in diesem Puncte mit ihnen d’ac- cord, sintemal Beide nach des Sultans Reich trachteten, wie er sich denn einen Kaiser nenne und seinen Thron nach Con- stantinopel zu setzen verhoffe; Vorhabens die Griechen zu erledigen, habe er auch unlängst zu diesem Ende eine Botschaft nach Venedig und Persien geschickt und Beiden eine Allianz offeriert; diesen feindlichen Anschlägen zu begegnen, sei nichts Besseres, als zwischen der Pforte und seinem Könige eine Liga und gute Freundschaft aufzurichten, wozu der Fürst in Siebenbürgen ein taugliches Instrument sein würde, denn weil er dessenohne des Sultans Unterthan und