Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

94 Veits <5. an einer goldenen Kette unter den Kleidern am Halse zu führen pflegen, dem Hussein Pascha nach Candia geschickt, zu Constantinopel aber interim ein Kaimakam oder Statt­halter gesetzt; das Siegel war kaum fort, da entstand gleich wiederum eine gräuliche Revolution, welche obschon sie nur fünf oder sechs Tage gewährt hatte, doch den vornehm­sten Eunuchen im Serail und mehr anderen vornehmen Türken einen erbärmlichen Tod verursacht; erstlich waren kaum 200 Janitscharen beisammen, zu welchen gleich viele Andere gestossen, welche kurz vorher aus Candia gekommen und um ihren ausständigen Monatssold gestritten; anderen Tages war die Anzahl noch grösser, jedoch alle ohne Gewehr, worüber auch die hohen Minister alsobald in’s Serail berufen und allda consultiert worden, wie einem grösseren Uebel vorzukommen; setzten zwar geschwind einen anderen Janitscharen-Aga und andere Kriegs-Officiere, die Miliz war aber schon auf dem Wege und begehrte vor dem Serail Aiack-Divan, das ist, wann der Sultan herauskommt und der Miliz selbst öffentlich Audienz giebt; daher man zwei Yeziere zu ihnen geschickt und fragen lassen, was ihr Begehren sei? Wobei sonderlich ein Aga vom Mufti etwas zu scharf geredet, welchen sie gleich vom Pferd gerissen und dort an der Stelle erwürgt, aus welcher Confusion auch bedeutete zwei Veziere ohne fernere Antwort sich gleich nach dem Serail retiriert. Hier kam eben das Geschrei, dass die Bostandschi in Waffen, worauf auch die Miliz stracks nach dem Quartier gelaufen und in viel grösserer Anzahl armiert wieder erschien; begehrten in Summe Aiack- Divan, welches ihnen endlich mit der Bedingung bewilligt worden, dass sie gewöhnlichermassen, ohne Gewehr, erscheinen sollten. So die Miliz aber nicht thun wollen, im Bedenken, die Bostandschi die Thore unversehens schliessen und anders mit ihnen hausen möchten. Endlich war es bei dem verblieben, dass der Sultan aus einem Lusthause, ober der Mauer, ihr Anbringen ver­nehmen sollte, allwo ein gemeiner Spahi dem Sultan zu­geschrieen, er sollte die Fenster besser aufmachen lassen und sich recht zeigen, damit man sehe, wer bei ihm sei, denn es waren der Mufti, Kaimakam, Kislar-Aga und mehrere andere Eunuchen bei ihm, welche sich immediate retiriert.

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