Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Reniger von Reningen. 95 Nachdem nun der Sultan allein am Fenster gewesen, schrie ermeldeter Spahi wiederum zu ihm hinauf, man zahle sie halb mit falscher Münze, er sollte Diejenigen strafen, welche in’s Governo sich einmischen und seinen Schatz veruntreuen, widrigenfalls nichts Gutes entstehen würde. »Wer sind denn Diejenigen?« frug der Sultan; hier hatte die Miliz schon eine Liste von 22 Personen, welche durch einen Strick oder Spagat hiuaufgezogen worden, in welcher absonderlich sechs der vornehmsten Eunuchen und mehr andere vornehme Türken genannt gewesen. Der Sultan hatte ihnen Ausrichtung versprochen, jedoch für seine Eunuchen gebeten, welche er verschicken wollte, dass man weiter von ihnen nichts hören sollte; so die Miliz aber gar nicht verstehen wollen, wüthete und tobte vielmehr, daher der Sultan den Kislar-Aga und Capo-Aga, gleich oben in seiner Gegenwart strangulieren und die Körper über die Mauer hiuunterwerfen lassen, welche mit einer Furie durch den Koth an den Platz Atmeidan geschleppt und dort an einem Baum bei den Füssen aufgehenkt worden; Jeder hatte ein Stück Fleisch von ihnen gerissen, dass endlich blos die Gebeine dort hängen blieben, wobei es aber noch nicht beruht, denn man hatte ihnen auch die Anderen, so in der Liste begriffen waren, erfolgen lassen müssen und zwar aus dem Serail noch vier vornehme Eunuchen und ausser des Serails unter Anderen eine Türkin, welche die Valide aus ihrem Frauenzimmer einem Diener verheirathet und incognito zum Oefteren heimgesucht, welche alle stranguliert und an ermeldetem Baum gehenkt worden, die Mannspersonen zwar wie die vorigen bei den Füssen und das Weib um die Mitte, wozu man auch ihren Mann, welcher etliche Tage verborgen gewesen und endlich in einem alten Schiffe aufgefunden worden, nach vieler Tortur und Marter gehenkt, sein Weib jedoch vorher herunter genommen, welches er vor seinem Tode zu absonderlicher Gnade erbeten. Inzwischen hatte der Sultan einen andern Mufti und Gross-Vezier eingesetzt, sein Siegel, so dem Hussein Pascha nach Candia geschickt und noch auf dem Wege erreicht worden, alsbald zurückholen lassen. Die Miliz hatte aber von Diesen Keinen acceptiert, daher immediate Alles geändert, und gleich ein anderer Mufti und Gross-Vezier creiert müssen