Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

86 Criste. Belin das »schlechte« Französisch; ja, der Kutscher Debry’s, Sigrist, thut noch ein Uebriges, indem er versichert, er habe bemerkt, »dass kein einziger Husar französisch sprach« und setzt sich damit, offenbar aus Uebereifer, in directen Wider­spruch zu der Behauptung seiner eigenen Herrschaft. Es ist nun recht merkwürdig, dass nur Personen, die unmittelbar abhängig von Debry waren, das schlechte Französisch der Mörder erwähnen und nachdrücklich hervorheben — nur diese; alle andern, welche überhaupt die Sprache der Mörder erwähnen, sagen aus, diese hätten — deutsch gesprochen. Welche von beiden Parteien hier die Unwahrheit sagt, Jean Debry und seine Leute oder die übrigen Franzosen, lässt sich jetzt begreiflicher Weise nicht mehr constatieren; was aber unerschütterlich feststeht, ist: dass die Mörder nur französisch oder deutsch, oder aber französisch und deutsch gesprochen haben. Ueber die Art seiner Verwundung spricht Debry in seinen Berichten nur im Allgemeinen; später jedoch erinnerte er sich ganz genau; er will nicht weniger als 24 Wunden, nach den Aussagen seines Kammerdieners 40 Säbelhiebe und 31 Wunden davongetragen haben. Diese Angaben stehen in schärfstem Widerspruche zu den Aeusserungen von Augen­zeugen. Der »Authentische Bericht« sagt: »Seine Kleidung war ganz zerhauen. Er war am linken Arm, an der Schulter und über der Nase verwundet; ein Hieb auf den Kopf hatte wegen Hut und Perrücke nur eine Contusion veranlasst.« Noch befremdender klingt die Aussage eines andern Augen­zeugen, des dänischen Legationsrathes von Eggers1). »Sein Ansehen« (als Debry am Morgen des 29. in das Zimmer des Grafen Görtz trat) schreibt dieser, »war schrecklich verstört. Gesicht und Haare waren mit Blut überlaufen. Auch hatte er eine ziemliche Schmarre über die Nase; sie schien jedoch nicht von einem Hieb herzurühren. Ich war bei dem ersten Verband zugegen. Debry fiel beinahe in Ohnmacht (!). Indess erklärte der Wundarzt die Hauptwunde am linken Arm für gar nicht gefährlich. Die anderen beiden waren *) Briefe über die Auflösung des Rastatter Congresses, den Gesandten-Mord und den Wiederausbruch des Krieges im Jahre 1799. Braunschweig 1809, I, 403.

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