Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beitrüge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 87 unbedeutend. Am Kopf fanden sich, als er abgewaschen war, blos Contusionen. Auch das Fieber war nicht stark. Ueberhaupt fand der Wundarzt ihn über alle Erwartung gut! « Es muss zugegeben werden, dass dieser ärztliche Befund, verglichen mit den Aussagen Debry’s und seiner Leute, umso mehr befremden muss, wenn man bedenkt, wie gründlich die beiden Collégén dieses Gesandten ermordet wurden und welch’ furchtbare Waffe der damalige Cavalleriesäbel war. Mit einer solchen Waffe werden, selbst wenn die Hiebe nicht sp hageldicht niedersausen, wie Debry erzählt, denn doch nicht nur »eine ziemliche Schmarre«, »eine gar nicht gefährliche Hauptwunde« und zwei »unbedeutende« Wunden verursacht! Sind schon die bisher nicht untersuchten Aussagen Debry’s, in Folge des Widerspruches, in welchem sie zu jenen anderer Personen stehen, geeignet, die Glaubwürdigkeit dieses Gesandten stark zu erschüttern, so muss dies in umso höherem Grade der Fall sein, wenn man sieht, dass Debry sogar sich selbst widerspricht, oder geradezu die Unwahrheit sagt. / Während nämlich der »Authentische Bericht», natürlich auf Grund der Erzählung Debry’s, sagt, dieser sei nach seinem, wie zugegeben werden muss, mehr als wunderbaren Entkommen aus den Mörderhänden sofort »ohngeachtet des stark verwundeten linken Arms auf einen Baum« geklettei’t, »wo er sich zuweilen vor Mattigkeit halb schlummernd bis zum anbrechenden Tag erhielt«, weiss Debry in seinem ersten Bericht von diesem Baum überhaupt nichts und in seinem »Narre fidele« will er ihn erst erklettert haben, nachdem er bis Tagesanbruch im Walde umhergeirrt war. Wie dem »stark verwundeten« Mann das Kunststück, den Baum mit einem Arm zu erklettern, gelingen konnte, ist jedenfalls ebenso räthselhaft wie seine Bettung überhaupt. Allerdings findet das Bäthsel seine Lösung durch die von Seite des Arztes und von Augenzeugen bestätigte Thatsache, dass Debry ausser einigen höchst unbedeutenden Contusionen überhaupt nicht über »Wunden« verfügte. Wie mag es wohl gekommen sein, dass gerade Jean Debry, .der als erster der Wuth der Mordgesellen ausgesetzt war, nur mit einigen durchaus