Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 85 einer ganz bedeutend geringeren Anzahl von Leuten, 3 bis 6, angehalten. Nach der Behauptung Debry’s sei von den Attentätern zuerst nach ihm gefragt worden. Das ist unwahr. Nach den übereinstimmenden Aussagen aller Franzosen, die diesen Punct überhaupt berührten, wurde zuerst und zwar wiederholt, nach Bonnier gerufen. Nachdem Debry, seiner Angabe zu Folge, eine Unmenge von Hieben erhalten hatte, will er sich in einen Graben gewälzt und sich todt gestellt haben; der »Authentische Bericht« hingegen sagt auf Grund der späteren Erzählung Debry’s, dieser sei von den Attentätern in den Graben geworfen worden. Während Debry nach seiner ersten Aussage zuerst geplündert und dann erst mit Säbelhieben behandelt worden ist, erzählte er den fremden Gesandten am Morgen, dass man ihn erst geplündert habe, während er in dem Graben gelegen sei. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der Umstand, in welcher Sprache von den Attentätern gesprochen wurde; es ist nun interessant, wie Jean Debry es erst nach und nach für nothwendig fand, das »schlechte Französisch«, in welchem er und seine Collégén von den Mördern angesprochen worden sein sollen, hervorzuheben. In seinem ersten Bericht erzählt er, dass die Attentäter nach ihm gefragt, ohne auch nur mit einem Wort zu erwähnen, in welcher Sprache dies geschehen; es scheint also, dass Debry die Sprache und Sprechweise dieser Leute durchaus nicht aufgefallen war und da er selbst weder deutsch, noch ungarisch oder walachisch verstand, dürften diese Fragen wohl in ganz correctem Französisch gestellt worden sein. Ja, selbst nach seiner Rückkehr nach Rastatt am Morgen des 29. April, erzählt er den fremden Gesandten noch ausdrücklich, dass er, »und zwar in französischer Sprache, mit den Worten: ,Est-ce que tu es Jean Debry’« gefragt worden sei. Erst in seinem zweiten Bericht erinnert er sich auf einmal, dass die Mörder eigentlich doch »mit schlechtem französischem Accent« gesprochen und richtig bestätigen jetzt auch die Frau und die Töchter Debry’s und sein Secretär