Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

84 Criste. die Husaren wieder zurückkehrten und ihr Werk vollendeten, überhaupt gar nichts von dem, was Madame Boberjot hier erzählt. Er sagt nur, dass er die Dame in den Wagen ge­hoben und selbst hineingestiegen sei und schliesst: »Alle anderen Franzosen waren der Wuth der Mörder entronnen. Ich blieb mit der Bürgerin Boberj ot allein unter den Henkern bis Mitternacht. Den folgenden Morgen übergab mir der Unterofficier, welcher mich am Abend vorher festgehalten hatte, einen Beutel mit 2400 Francs und 43 Louis in Silber.« In Rastatt dagegen soll Venon, nach dem »Auth. Bericht« viel mittheilsamer gewesen sein. Da soll er diese Erzählung der Madame Boberj ot bestätigt und hinzugefügt haben, dass sie, als ihr Mann noch Lebenszeichen von sich gab, gerufen habe: »Mon ami n’est pas mort, ah, sauvez, sauvez!« Die Husaren wären dadurch aufmerksam gemacht worden und hätten sich beeilt, dem unglücklichen Boberjot den Best zu geben. »Der Kammerdiener aber hielt die bedauerns- werthe Frau, die immer auch für sich den Tod begehrte, mit Gewalt im Wagen, indem er ihr Gesicht an seine Brust drückte und ihr mit den Fingern das Ohr verstopfte, damit sie ihres Mannes letztes Aechzen nicht hören sollte.« Auf diese Art soll, nach Angabe jener Personen, die sich in unmittelbarer Nähe der Mörder befunden oder befunden haben wollen, die Verwundung Debry’s, die Ermordung Bonnier’s und Bob er jot’s vor sich gegangen sein. Es ergiebt sich aber doch die Nothwendigkeit, diese Aussagen einer eingehenderen Betrachtung zu unterziehen. Was schon bei der ersten flüchtigen Lectüre der Aus­sagen Debry’s und seines Gefolges förmlich in die Augen springt, das sind die offenen Widersprüche zwischen den Erzählungen Debry’s und den Aussagen eines Theiles der übrigen, auf dem Schauplatze gewesenen Personen. Debry behauptet, die Wagen der Franzosen wären von 60 Husaren angefallen worden. Das ist falsch. Nach der Aus­sage aller übrigen Personen, von denen manche, wie beispiels­weise der badische Postillon Kaspar und der Kutscher Debry’s, Sigrist, jedenfalls von ihrem Kutschbocke aus mehr sehen konnten als Debry, wurden die Wagen von

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