Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 83 von ziemlich grossem Wuchs und besserem Aussehen als die übrigen (er schien mir ein Officier zu sein) gab meinem Gemahl den ersten Säbelhieb, auf welchen mehrere folgten, indess andere Husaren mich verhinderten, ihn mit meinem Körper zu decken, mich hielten und mich zwangen, dieses abscheuliche Blutbad anzusehen1). Mein unglücklicher Gatte fällt unter ihren Hieben; diese Unmenschen verlassen ihn noch lebendig und eilen zu dem Wagen des Bürgers Boccardi. Als sie Niemanden darin finden, kommen sie wieder zu uns. Mein Bedienter hatte mich in den Wagen gehoben; ich merkte, dass mein Mann sich noch bewegte und sagte daher zu meinem Bedienten: Ach, wenn wir ihn retten könnten! In diesem Augenblick fielen die Mörder wieder über ihn her und machten ein schreckliches Gemetzel. Alles, was in dem Wagen zur Hand war, wurde jetzt geraubt; die ein­gepackten Papiere wurden auf die Erde und grössten- theils in den Fluss geworfen. Der Schlag wurde darauf zugemacht; aber jeden Augenblick kamen andere Husaren, um die Plünderung zu vollenden; doch konnten sie den Schlag nicht öffnen. Eine Viertelstunde nach der Mord- that stiegen zwei andere Husaren auf den Vorderwagen und löschten die beiden Lichter in den Laternen aus. Nun glaubte ich, dass mein letzter Augenblick gekommen wäre und dass man mich auch ermorden werde. Ich sagte zu meinem Be­dienten, der mich nie verhess: Es ist um uns geschehen; unsere letzte Stunde ist da. Die Missethäter giengen aber fort, nachdem sie die beiden Lichter ausgelöscht hatten und wir blieben über eine Stunde mitten auf der Heerstrasse, ohne Jemand zu sehen oder zu hören.« In seiner gerichtlichen Aussage erwähnt Ven on mit keinem Wort, dass Eoberjot nicht gleich todt blieb, dass ') In seiner Pariser Aussage behauptet Venon, ein Husar habe auch zweimal nach Madame Roberjot gehauen, doch habe der erste Hieb den Kutschschimmel getroffen, während den zweiten Venon mit dem rechten Arm auffieng, ohne dabei verwundet zu werden. In Rastatt wusste er hievon nichts; da erzählte er sogar, ein Husar habe ihm, nachdem Venon sich als Bedienter bezeichnet, auf die Schulter geklopft mit den Worten: »Bedienter bleib, nichts bös!« 6*

Next

/
Oldalképek
Tartalom