Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

82 Criste. Massacre zu leiten schien, in deutscher Sprache: »Schlagt diese Schurken von Patrioten nieder! Schlagt sie nieder1)!« Der Gesandte Robe rj o t befand sich mit seiner Gemahlin während der Fahrt im fünften Wagen. »Bald nachdem die Vorstadt passiert war,« so erzählt Madame Roberjot, »wurden wir von einer starken Abtheilung Cavallerie des Regiments Szekler angegriffen, welche mit fürchterlichem Geschrei über die ersten Wagen herfielen und allenthalben Säbelhiebe austheilten. Mein Mann liess sogleich den Kutschenschlag öffnen und wir stiegen heraus; der erste Gedanke war, unsere Rettung zu suchen. Wir kamen an den Schlag des Wagens des Bürgers Boccardi, welcher dem unsrigen folgte, da wir aber Niemand mehr darin sahen, so glaubte mein Mann, dass der Bürger Boccardi und sein Bruder ausgestiegen wären, um ihr Recht zu be­haupten, der französischen Gesandtschaft folgen zu können und dass sie sich deswegen mit einigen Patrouillen in Streit befänden. Wir giengen zurück2). Kaum waren wir an dem Schlage unseres Wagens, als die Szekler auf uns losstürzten. Sie fragen meinen Mann, ob er Roberjot sei; er antwortete ihnen: Ja; ich wiederholte es ihnen auch3). Auf diese Antwort fangen sie an, ihn zu plündern; sie nehmen ihm seine Uhren weg, seine Brieftasche und seine Börse4). Ein anderer Husar ') »Hächez ces coquins de patriotes! hächez!« Unter die Commando- worte des k. k. Heeres dürfte dieser Satz schwerlich gehört haben, warum aber den ungarischen und walachischen Husaren gerade in deutscher Sprache die Massacre befohlen worden sein soll, die sie schwerlich verstanden, ist nicht ganz verständlich. 2) Ueber dieses Verlassen des Wagens, Forteilen und Zurück­kehren des Ehepaares Roberjot enthält die Aussage des Kammerdieners Roberjot’s, Venon, nichts. In Rastatt aber soll er dies, nach dem »Auth. Bericht«, 4. Zusatz, bestätigt haben. a) Nach der Aussage Venon’s wurde zuerst der Küchenchef Roberjot’s, Rozier, seiner Uhr und seines Reisesackes, beides im Werthe von 1200 Francs, beraubt, dann sollen sie Venon’s Mantel, Uhr und Reisesack, in welchem Effecten und 26 Louisd’or enthalten waren, ge­nommen haben. 4) Hievon weiss der Kammerdiener nichts; nach seiner Pariser Aussage hätten die Husaren dreimal gefragt: »Bist du auch Roberjot?« worauf ein »Fourier« dem Minister einen Säbelhieb gab, der ihm fast den Kopf abschlug.

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