Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

Die ganz eigenartigen Verhältnisse, unter welchen dieser Mord verübt wurde, die Leidenschaftlichkeit, mit welcher die einzelnen Parteien sich dieses Ereignisses bemächtigten, um es ihren Zwecken entsprechend auszubeuten, haben den Fall vom ersten Moment an künstlich verdunkelt. Wie aber die damaligen Verhältnisse lagen, musste dem bei weitem grössten Theil der nichtösterreichischen, aber von dem Ereigniss irgendwie Berührten jene Lösung des Räthsels die willkom­menste sein, welche die That als durch die Szekler-Husaren verübt darstellte. Diese Lösung wurde umso freudiger acceptiert, als thatsächlicli eine Reihe von Verdachtsmomenten gegen das österreichische Militär vor lag, wähi'end man sonst nirgends Anhaltspuncte finden wollte, die auf die Spur der wirklichen Mörder führen konnten. Sollen auch heute noch jene Beweggründe, welche eine objective Untersuchung jenes Ereignisses verhinderten, ob­walten? sollte heute der Drang nach Erforschung der Wahr­heit nicht grösser sein als subjective Beschränkung, die zurück­schreckt vor der Möglichkeit einer anders gearteten Lösung, als sie bis heute versucht wurde? Weil einzelne, höchst verdächtige Zeugen die Szekler- Husaren des Mordes an Boberjot und Bonnier angeklagt, hat die Forschung bisher wie gebannt an ihnen, als an jenen, die unter jeder Bedingung schuldig sein müssen, festgehalten; hat sich durch die doch gewiss zahlreichen Anzeichen undBeweis- gründe, welche gegen die Schuld der Husaren sprechen, nicht bewegen lassen, nach anderer Dichtung hin zu suchen; hat sogar jeden derartigen Versuch auf das Energischeste be­kämpft, hat rastlos in österreichischen und nur in österreichi­schen Regierungs- und Armeekreisen nach den intellectuellen Urhebern und den Motiven, durch welche sie sich leiten liessen, gesucht. Die bestimmte Lösung des Geheimnisses von Rastatt wird sich schwerlich in irgend einem Archiv der Welt noch finden lassen. Mit richtiger Erkenntniss hat der Däne Eggers es an jenem 29. April 1799 ausgesprochen, dass, wenn eine gründliche gerichtliche Untersuchung nicht sofort in Rastatt geschehe, so lange noch alle Thatzeugen und eventuellen

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