Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 427 Thäter, also die ganze französische Botschaft mit ihren Bedienten, alle Gesandten mit ihrem Personal noch in Rastatt anwesend seien, eine wirkliche Aufhellung des Verbrechens nie mehr möglich sein werde. Er mochte die Ueberzeugung hegen, dass mit den Abreisenden Schuldige und Mitwisser schieden, aber Niemand bot die Hand, um ihm für diese Ueberzeugung die Beweise finden zu helfen. Aber dass in manchem Archiv doch noch belangreiche »Beiträge« zu finden sein müssen, kann wohl als mehr denn wahrscheinlich angesehen werden. Wenn es wahr ist, wie Lang in seinen »Memoiren« versichert, dass Graf Görtz der besondere Vertrauensmann des Ministers Finkenstein, Jacobi-Klöst das Werkzeug des Grafen Haugwitz im Berliner Ministerium gewesen und wenn es wahr ist, dass Lang selbst der geheime Vertraute des leitenden preussischen Ministers Hardenberg war, so müssen von diesen preussischen Gesandtschaftspersonen vertraute Briefe oder Specialberichte an ihre Gönner in dem Berliner Archiv liegen, in denen sie Wahrheit berichten, denn die »Authentische Darstellung«, deren Unwahrheit Niemand besser bekannt sein konnte, als gerade Görtz, konnte nicht den preussischen Ministern und besonders denjenigen gegenüber, gegen welche besondere Vertrauenspflichten bestanden, die Wahrheit ersetzen sollen. Görtz hat sich viel zu sehr in den Vordergrund gedrängt, um nicht als wesentlich informiert gelten zu müssen. Diese Specialberichte sind noch unbekannt. Es ist ebenso als selbstverständlich anzusehen, dass die badische Regierung, wenn sie es auch verabsäumte oder vermied, rechtzeitig eine ernstliche Einvernahme aller ihrer Postillone nicht nur, sondern auch aller jener »wissenden« Personen, welche die Welt mit einem so überreichen Geschichtenschatz »glaubhaft« bereichert haben, vorzunehmen, angeblich dem Verbot einer gar nicht existierenden österreichischen »Militär-Behörde« *) sich unterwerfend, sofort in den ersten ruhigen Tagen ihre unbedingte landes*) Die badischen Behörden, Obervogt und Stadt-Commandant, konnten doch nicht in dem Rittmeister Burkhard eine »Militär-Behörde« sehen wollen, die ihre eigene Wirksamkeit hätte irgendwie beschränken können.