Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
150 Criste. Abmarsch den Bewohnern von Gernsbach mitgetheilt (!)1), sie gierigen nun die französischen Gesandten abschlachten, für den baarsten Unsinn zu erklären. Auch Herrn von Sy bei scheint diese Aussage etwas zu stark gewesen zu sein, denn er modi- liciert siebedeutend, indem er, Zabern citierend, sagt, es lief nach dem Abmarsch der Husaren in dem kleinen Orte auf der Stelle das Gerücht umher, »es gelte den französischen Gesandten«. Das ist nun freilich etwas Anderes ; das konnten die Husaren allenfalls gesagt haben, denn es lag gar kein Grund vor, zu verschweigen, dass sie Befehl hatten, die französischen Gesandten aus Rastatt auszuweisen. Aber morden?! Selbst diese Möglichkeit aber, dass die von Gernsbach abrückenden Husaren den Zweck ihres Marsches nach Rastatt, nämlich die Ausweisung des französischen Gesandten, bekannt gemacht, halten wir mit Rücksicht auf militär-dienstliche Gepflogenheit für vollkommen ausgeschlossen. Nur Leute, die keine Ahnung von einem militärischen Dienstgang haben, können ja glauben, dass der Oberst eines Regiments einen derartigen Befehl sämmtlichen Leuten publicieren werde; dass er ihnen, vor die Front reitend, etwa mit schallender Stimme zurufe: »Ihr werdet jetzt nach Rastatt reiten und die französischen Gesandten ausweisen!« Ausser dem Rittmeister Burkhard und dem Oberlieutenant-Auditor Ruziczka dürfte wohl überhaupt weder ein Unterofficier, noch weniger aber ein »Gemeiner« gewusst haben, zu welchem Zweck die Escadron nach Rastatt eommandiert werde. Sie erhielt, wie gewöhnlich, Marschbefehl und trabte dann ruhig dem vorausreitenden Rittmeister nach. Die Aussage Zabern’s ist daher nichts Anderes als plumpe Erfindung und es muss Wunder nehmen, dass ernste Männer der Wissenschaft ihr Glauben schenken konnten — oder wollten. Die weiteren Angaben Zabern’s, dass dieselben Husaren mit einem Wagen, der alle möglichen Effecten enthielt, nach Gernsbach zurückgekehrt und dass Lieutenant Fontana irgend eine Aeusserung im Wirthshause (!) gethan, sind direct erfunden. Nur Briefschaften -wurden, wie später erzählt werden ') Dies müssten die Husaren nämlich gethan haben, denn von wem sonst hätten die Gernsbacher »wissen« können »que cette troupe s’était mise en marche, pour massacrer (!) nos ministres?«