Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 151 wird, zu Barbaczy gesandt und Fontana war den ganzen Tag des 29. April in Plittersdorf. Characteristisch fdr die in dieser traurigen Frage an­gewendete Art der Beweisführung ist jene vielgebrauchte, geradezu alberne Anecdote, auf welcher sogar ein Theil des gegen die Szekler-Husaren gerichteten Anklageactes beruht, ist die von dem »weinenden Husaren« im Wirthshause »Zum Engel« in Rastatt. Freiherr von Helfert hat sich die Mühe genommen, diese, bezeichnend genug auch in einem Wirths- haus geprägte heitere Geschichte zu analysieren1). »Das Erste,« so schreibt Helfert, »was sich dem auf­merksamen Leser dieser Nachricht auf die Lippe drängt, ist wohl bei der Genauigkeit, mit der sonst der »Herausgeber« alle seine Angaben vorbringt, die Frage: wer doch wohl jener »glaubhafte« Mann gewesen sein und wer dessen Glaubhaftig­keit verbürgt haben soll? Denn kam die Erzählung durch jenen »glaubhaften Mann« selber zu den Ohren des Verfassers der »Zusätze«, dann war es eine grobe Unterlassungssünde des Letzteren, diesen wichtigen Umstand dem Leser gegen­über nicht ausdrücklich hervorzuheben; war das aber nicht der Fall, sondern erfuhr der »Herausgeber« die Erzählung durch Mittelspersonen, dann lag das entscheidende Moment darin, ob auch diese insgesammt »glaubhafte« Leute ge­wesen. Dazu tritt noch folgender Umstand: Der badische Rath Posselt hat nicht gesäumt, gleich am 29. April vier Postillone, welche die französischen Minister gefahren, als die einzig wahrscheinlich unbefangenen, weil unbetheiligten Zeugen summarisch zu vernehmen. Wenn an demselben Tage in Gegenwart vieler Personen in einer öffentlichen Wirths- stube ein so auffallendes Geständniss abgelegt worden wäre, was in einem Orte wie Rastatt und bei dem allgemeinen Auf­sehen, womit das Ereigniss die ganze Bevölkerung in Span­nung erhielt, doch unmöglich lang hätte geheim bleiben können, wie und warum hätte Posselt nicht für angezeigt finden sollen, einen oder ein paar dieser vielen Zeugen, darunter den »glaubhaften« Mann selber, gleichfalls wenigstens sum­marisch einzuvernehmen? Nun zu dem Inhalt der Aussage *) *) Der Rastatter Gesandten-Mord, 114 ff.

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