Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

138 Cris te. sondern geradezu einseitig und mit dem bestimmten Zwecke, Oesterreicherund nur diese zu verdächtigen, zu Werke giengen, die Ob j ectivität dieses Documentes in Frage gestellt werden, so muss die Richtigkeit der die Mordthat selbst betreifen­den Daten noch mehr bezweifelt werden, als sie sich zum grossen Theil auf die nichts weniger als glaubhaften Angaben Jean Debry’s stützen oder auf jene von Leuten, die zwar auf dem Schauplatz anwesend waren, aber von der Mordthat selbst wenig oder gar nichts gesehen und desshalb darüber falsch oder geradezu unwahr ausgesagt haben. Dass demnach dem »Authentischen Berichte« in nur ebenso beschränktem Ausmasse Glaubwürdigkeit zugeschrieben werden kann, als den Aussagen Jean Debry’s und seines Gefolges, ist gewiss zweifellos. Nun aber soll untersucht werden, ob in der Nacht des 28. April, ob selbst am 29. die Szekler-Husaren mit Bestimmt­heit als die Mörder Bonnier’s und Roberjot’s bezeichnet wurden. Am 29. April machte der bereits genannte dänische Lega­tionsrath Eggers-den noch in Rastatt anwesenden deutschen Gesandten den Vorschlag, nicht, wie geplant, gleich. abzu­reisen, sondern noch einige Tage da zu verweilen. »Die Ver­längerung unseres Aufenthaltes,« so sprach er damals, »wäre das einzige Mittel, die Wahrheit jemals an den Tag zu bringen. Ganz Europa richte seine Augen auf uns; das Völker­recht fordere unsere möglichste Wachsamkeit. Wir "würden gerade in dem ersten Augenblick der Rührung alle mögliche Unterstützung finden. Dem kaiserlichen Militär liege selbst Alles daran, die Sache an das Licht zu bringen. Jetzt, aber auch nur jetzt sei dies möglich. Benützte man nicht den Augen­blick, die Localitäten, den Character, die Talente der noch anwesenden Mitglieder des diplomatischen Corps, so sei nie daran zu denken, die Wahrheit zu ergründen. Eben, da wir noch beisammen wären, müssten wir alle Data aufnehmen, vergleichen, ordnen. Daraus würde nachher der verständige Richter die Untersuchung führen, die natürlich ausser unserem Gesichtskreise lag. Aber wenn wir ihm nicht auf der Stelle die Data verschaffen, so entzögen wir ihm die Materialien

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