Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

132 C riste. lang zu belauschen, ist jedenfalls auffallend, noch auffallender aber ist es, dass der preussische Gesandte Graf Görtz diese auf Veranlassung der bayerischen Regierung durch »Horcher« aufgenommenen und politischen Zwecken dienen­den Protokolle bereits am 7. Mai, also kaum 48 Stunden nach »Belauschung« des letzten Gespräches Lehrbach’s, kannte. Jedenfalls ist es merkwürdig, dass die bayerische Regierung den "Wortlaut von Gesprächen befreundeter Diplomaten, zu deren Kenntniss sie auf nicht gerade vornehme Weise gelangte, sofort dem preussischen Gesandten mittheilte. Sei dem nun wie immer, bezeichnend ist es jedenfalls für den Grafen Görtz, auf welche Weise er den Inhalt dieser belauschten Gespräche für seine Zwecke verwerthete. Am 7. Mai traf der dänische Secretär Baron Eyben1) in München ein und über­reichte dem Grafen Görtz das Antwortschreiben des Erzher­zogs Carl auf den »Gemeinschaftlichen Bericht«. »Görtz hatte nichts Eiligeres zu thun, als aus dem, was der Horcher von Lehrbach’s Gesprächen mit Hoppe aufgezeichnet hatte, eine Mittheilung zu machen, die er durch boshafte Zusätze noch vergiftete. Denn wenn der Horcher von dem Anfang des Barbaczy’schen Briefes nur die Worte gehört hatte: »Nun ist Alles vollendet,« so fügte Görtz eigenmächtig noch hinzu: »Die Gesandten sind nicht mehr.« Aus diesen Worten und weil Lehrbach auf die Nachricht von der Weg­nahme der Papiere geäussert hatte, man werde eine Abschrift der wichtigsten wohl bald erhalten, folgerte Görtz, Lehr­bach und, weil er allein die Verantwortung nicht habe auf sich nehmen können, auch die österreichische Regierung habe um den Mord vorher gewusst und ihn gebilligt2)«. Beachtet man nun diese »Correcturen« des Grafen Görtz und bedenkt, dass gerade aus diesen »Protokollen«, man mag über ihre Entstehung und ihren Inhalt denken wie man will, die volle Unschuld Lehrbach’s hervorgeht, so wird man zugeben, dass der preussische Gesandte, Graf Görtz, in seinem Kampfe gegen Oesterreich sieh solcher Mittel bediente, deren Anwendung man selbst den gewissen­*) TJeber dessen Mission bei Erzherzog Carl wird noch gehandelt werden. 2) Hüőer, Der Bastatter G-esandten-Mord, 57.

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