Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 133 losesten Diplomaten seiner Zeit nicht verzeihen darf. Aber der Umstand, dass Graf Görtz Actenstücke »corrigierte« und »ergänzte« ; dass er in diesen genau das Gegentheil von dem las und weiterverbreitete, was darin enthalten war, beweist auch, dass Graf Görtz unter jeder Bedingung den Mord von bestimmten Personen, und zwar von österreichischen begangen wissen wollte; dass er, um das zu beweisen, selbst Fälschungen nicht verschmähte. Da drängt sich nun die Frage auf, ob denn gerade für Görtz die Anwendung solcher Mittel nothwendig war, um etwas zu beweisen, was doch, wenn man dem. »Authentischen Bericht« Glauben schenken will, gar keines weiteren Beweises bedurfte! Dort wird, ja steif und fest behauptet, dass »Seculy-Husaren« die Mörder wären; dort wird mit behaglicher Breite erzählt, wie sie den Mord begangen und was der »Bericht« selbst discret verschweigt, das erzählen weitläufig die »Zusätze«. Oder sollte doch Graf Görtz selbst nicht ganz überzeugt gewesen sein von der Wahrheit und Richtigkeit dessen, was der »Bericht« enthielt und desshalb zu so ungewöhnlichen Mitteln gegriffen haben, um unumstössliclie Beweise herbeizuschleppen? Eines wird jedenfalls zugegeben werden müssen: das gehässige Vorgehen Dohm’s, die perfide Handlungsweise des Grafen Görtz sind nicht geeignet, die Authenticität eines Berichtes zu erhöhen, der fast ausschliesslich das Werk dieser beiden Herren ist! Dass der bayerische Gesandte, Freiherr von Rechberg, nicht säumte, es den preussischen Gesandten gleichzuthun, ist natürlich. »Was die verwegene Deutung anbelangt,« schrieb der Reichs-Vicekanzler, Fürst Colloredo, an den österreichischen Gesandten am churpfalz-bayerisclien Hofe, Grafen Seilern, »welche der churpfälzische Sub-Delegierte Freiherr von Rechberg dem unglücklichen Vorfall bei Rastatt mit den französischen bevollmächtigten Ministern in seinem diesfallsigen Bericht zu geben sich erdreistet hat, so war eine solche Darstellung von dem Schwiegersöhne des Grafen von Görtz eben nicht unerwartet; da aber Euer Excellenz bemerken, dass erwähnter Bericht unter der Hand circuliere, so wollen Dieselben sich alle Mühe geben, eine Abschrift davon zu erhalten und solche sodann hieher gelangen lassen ; inzwischen hoffe ich, dass die voreiligen und boshaften Urtheile der Uebelgesinnten