Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 123 Wagens hörte es, machte den Schlag wieder zu oder legte wenigstens die Hand daran. Er konnte keine andere Absicht dabei haben, als mir das Aussteigen zu verwehren. Dieser Kutscher ist im Dienste des Markgrafen. So lange die Plün­derung der Papiere dauerte, gieng er um den Wagen hin und her und unterhielt sich mit den Räubern. Ich sah sogar, dass er zwei Mal auf den Vordertheil desselben stieg und die ledernen Taschen durchsuchte, welche an dem Kutschersitze hiengen.« Also wieder derselbe vertrauliche, fast freundschaft­liche Verkehr einer der überfallenen Personen mit den Szekler-Husaren ! Und hier wollen wir uns wieder an die Erzählung Debry’s über seine Rückkehr nach Rastatt am Morgen des 29. April erinnern. In seinen beiden schriftlichen Aussagen sowohl, als auch in seiner Erzählung, welche die Grundlage des »Authentischen Berichtes« bildet, bezeichnet er mit voller Bestimmtheit die Szekler-Husaren als die Atten­täter ; ebenso geht aus allen seinen Erzählungen hervor, dass es bei dem Attentate auch auf seine Person abgesehen war, ja, er lässt sogar durchblicken, dass es in erster Linie auf ihn abgesehen gewesen1). In dem Bericht über seinen Aufenthalt im Walde betont Debry nachdrücklich, er habe sich vor dem Tage gefürchtet, der ihn den österreichischen Patrouillen überliefern musstel 2). Es erscheint also, nach diesen Aussagen Debry’s, als zweifellos, dass er eine Begegnung mit Szekler- Husaren gefürchtet haben muss, was sehr begreiflich ist. Denn, war Debry überzeugt, dass die Husaren in Folge eines Auftrages den Ueberfall unternommen -— und dies bezeichnet er bestimmt als seine Ueberzeugung3) ■— so musste er voraussetzen, dass sie ihn auch am Morgen tödten würden, falls sie seiner habhaft werden konnten; ja, noch mehr, er musste erwarten, dass die Wachen bei den Thoren beauftragt l) Er erzählte bekanntlich, ein Husar habe »schon von Weitem« gerufen : »Le ministre Jean Debry!« (Vgl. S. 77, Anmerkung 6.) s) S. S. 78. 3) Wie Debry angah, wurden die Gesandten beim Thore angehalten, »um die Ausführung der scheusslichen That zu organisieren, welche auch erfolgte und, ich sage es mit Ueberzeugung, schon vorher in ihrem ganzen Umfange bestellt und ahgeredet worden war«.

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