Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

124 Criste. worden waren, ihn bei seiner Rückkehr abzufassen. Und der Mann hat die grenzenlose Verwegenheit, knapp an der aus Szekler-Husaren bestehenden Wache vorüberzugehen! Das ist doch fürwahr eine Kühnheit, die dem Wunder gleicht, durch welches Debry den Mörderhänden entkam. Man wird entgegnen, dass dem Gesandten nichts Anderes übrig blieb, als nach Rastatt zurückzukehren1); dort allein konnte er Schutz finden, während er in den umliegenden Ortschaften leicht von umherstreifenden Patrouillen aufgegriffen werden konnte. Das mag richtig sein, erklärt aber den tollkühnen Entschluss Debry’s, an der Wache vorüber nach Rastatt zurückzukehren, noch immer nicht. Er hätte doch diesen, für ihn höchst gefährlichen Weg, der ihn gerade in die Hände seiner angeblichen Verfolger führen musste, vermeiden und jenen einschlagen können, den die viel vorsichtigeren Herren Rosenstiel, Boccardi etc. gewählt hatten! Das thut Debry nicht. Er geht ruhig an der Wache vorbei, die doch nach seinen Erzählungen aus Leuten jener fürchterlichen Truppe bestand, die ihn wenige Stunden früher mit einer Unzahl Wunden bedeckt! Und diese Tollkühnheit hat der Mann nach dem tödtlichen Schrecken eines durch ein Wunder überstandenen Ueberfalls, nach dem die Angst erhöhenden Aufenthalt in einem Walde, wo er die Mörder nach sich suchen hörte und sah? Nein! Hätte Debry wirklich die Szekler-Husaren für die Attentäter gehalten; hätte er wirklich geglaubt, dass der Ueberfall seiner Person gegolten; hätte er überhaupt ein Gefühl der Furcht, der Besorgniss vor diesen Husaren empfunden, nie und nimmermehr würde er gewagt haben, die Thorwache zu passieren. Wenn Ros enstiel und die Boccardi’s in stockfinsterer Nacht geheime Wege kannten, die nach Rastatt führten, so hätte sie Debry am hellen Tage auch ohne jede Schwierigkeit zu finden gewusst. Diese eigenthümliche Furchtlosigkeit Debry’s gegenüber den Szekler-Husaren stimmt aber ganz auffallend überein mit der seiner eigenen weiblichen Angehörigen, die Gelegen­heit suchten und fanden, in fast freundschaftlicher Weise mit eben diesen Szekler-Husaren zu conversieren. Man erkläre *} Er selbst sagt bekanntlich auch, er habe den »verzweifelten« Entschluss gefasst, nach Rastatt zurückzukehren.

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