Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
122 Criste. sich, kaum erklären, wenn man annimmt, dass ausschliesslich Szekler-Husaren auf dem Schauplatze der That anwesend waren. Selbst die an und für sich leicht begreifliche Gutmütliig- keit in ihrem Benehmen gegenüber den Frauen Debry’s, wird räthselhaft, wenn man sich der Erzählung der Frau Boberjot und ihres »Retters« erinnert, die behaupten, sie sei gezwungen worden, die Ermordung ihres Gemahls mit- anzusehen. Wenn die Mörder eine solche Brutalität begangen, wesshalb benahmen sie sich so freundlich, so gutmüthig gegenüber den Damen Debry’s? Ja, man sollte glauben, dass sie eher Grund gehabt hätten, diese Damen unfreundlich, sogar hart zu behandeln, da ihnen Debry selbst entschlüpft war und dieser Umstand jedenfalls nicht beitragen konnte, sie besonders liebenswürdig gegen seine Angehörigen zu stimmen. Dann beachte man doch die Erzählung Belin’s. Zuerst wird er furchtbar misshandelt, wobei ihm der Hut zu Boden fällt. Es ist doch nicht gut anzunehmen, dass Belin, gerade während er sich unter den Püffen und Stössen krümmte, besondere Lust empfunden haben kann, nach seinem Hut zu suchen; ganz gewiss hat er erst nach einiger Zeit der Erholung, der Sammlung daran gedacht. In der Dunkelheit wendet er sich an Jemanden, den er in seiner Nähe mehr hört, als sieht und fragte »oder vielmehr gab zu verstehen«, dass er diesen Hut suchen wolle. »Man führte mich dahin!« erzählt Belin. Dieses unscheinbare Detail ist nun geradezu erstaunlich! Wie, dieselben Mordgesellen, die Belin vor Kurzem noch ohne den geringsten Anlass — denn Niemand, auch Belin nicht, hat auch nur den leisesten Versuch unternommen, den Mördern irgend welchen Widerstand zu leisten — misshandelt, »getreten und geschlagen«, fassen ihn nun freundlich unter dem Arm und helfen ihm den Hut suchen ? . . . . Aber derselbe Belin, dem wir dieses interessante Detail verdanken, erzählt weiter, er sei später von Husaren in den Wagen ftosenstiel’s gebracht worden, aus dem er entfliehen wollte. »Mehrmals öffnete ich den Schlag,« so sagt er, »aber immer traten die Husaren hervor, um zu sehen, woher das Geräusch käme. Ich fieng wieder an, um sie daran zu gewöhnen und sie glauben zu machen, dass es die Pferde thäten. Endlich wollte ich ihn leiser öffnen: allein der Kutscher dieses