Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 115 nicht abgesprochen werden darf, bisher von Niemandem be­achtet wurde, die Thatsache, dass keiner der Diener oder Kutscher, kein einziger, auch nur den leisesten Versuch unternommen hat, den Mördern, wer immer sie gewesen sein mögen, Widerstand zu leisten. Diese Thatsache ist umso befremdender, als das männliche Gefolge der französischen Gesandten nicht nur sehr zahlreich1), sondern auch bewaffnet war* 2). Da doch nur ein kleinerer oder grösserer Theil dieser Personen der Feigheit geziehen werden darf, so muss logischer Weise weiter geschlossen werden, dass der andere Theil des Gefolges ein Interesse gehabt habe, die Ermordung von Bonnier und Roberjot nicht zu verhindern! Nun ver­gleiche man diese aus den Aussagen der Franzosen selbst sich ergebenden Folgerungen mit den Vorgängen unmittelbar vor der Abreise der französischen Gesandtschaft. Da muss es schon als ein ganz eigenthümlicher Zufall bezeichnet werden, dass der von den französischen Gesandten selbst bestimmte Termin für ihr weiteres Verbleiben in Rastatt, gerade am 28. April Abends ablief; ganz besonders merk­würdig aber ist und bleibt es, dass sie die ihnen von Bar- baczy bestimmte Frist von 24 Stunden nicht annahmen. Man achte doch nur, unter welchen Verhältnissen die Franzosen abreisten; man hält sie bei dem Thore an, man verweigert ihnen eine Escorte, nachdem Barbaczy schon früher erklärt hatte, er könne für die Sicherheit des diploma­tischen Corps nicht mehr garantieren, obwohl dem österreichi­schen Militär die Pflicht der persönlichen Unverletzbarkeit stets heilig bleiben werde; es wird ihnen von wohlwollenden r) Wie stark dieses Gefolge war, lässt sicli nicht mehr feststellen, da nicht von allen diesen Personen Aussagen vorhanden sind. Nach den vorhandenen allein aber geht hervor, dass die drei Gesandten von nicht weniger als zwanzig Männern (ohne Fackelträger) begleitet wurden. 2) Nicht nur der Kutscher Bonnier’s, Troyon, spricht, wie erwähnt, von einem Säbel, mit dem er sich bewaffnet hatte, sondern auch Debry’s Secretär, Belin, erwähnt eines Degens, der im Wagen Bosenstiel’s gelegen und den die Husaren genommen, aber wieder in den Wagen gestellt hätten. Uebrigens bedarf es hiezu wohl keiner Beweise; man reiste zu jener Zeit selbst bei einfachen Postreisen nicht ohne Waffen, meist Pistolen. 8*

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