Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

116 Cr ste. Bekannten dringend von der Reise bei Nacht, bei Sturm und Schnee und Hagel abgerathen: trotzdem entschliesst sich ein von Natur aus ängstlicher und misstrauischer Mensch wie Bonnier, den alle möglichen bösen Ahnungen martern, ent- schliessen sich die Frauen der Gesandten zur Abreise, blos weil, wie Debry später sagte, ein »übel angebrachtes Ehr­gefühl« ihn wünschen liess, Rastatt innerhalb des von den Gesandten selbst gesetzten Termins, nicht innerhalb der Frist, die Barbaczy bestimmt hatte, zu verlassen1). Glaubt man da nicht leibhaftig eine geheimnissvolle Hand zu sehen, welche die Unglücklichen vorwärts trieb mit weit zwingenderen Gründen, als es ein »übel angebrachtes Ehrgefühl« ist; welche dann die Mörder zu so fieberhafter Eile trieb, dass sie den Gesandten Debry nur ganz unbedeutend verwundeten, wäh­rend seine Collégén zerstückelt wurden; welche sie spurlos ver­schwinden liess — vielleicht nach Rastatt selbst zurück — als das Getöse der anreitenden Husaren-Patrouillen hörbar wurde? Es finden sich endlich in den Erzählungen der Fran­zosen noch einige Details, die, so wenig sie bis jetzt auch beachtet wurden oder gerade desswegen, nicht übergangen werden dürfen. So erzählt der Gesandte Boccardi, dass er, während noch die Wagen beim Rheinauer Thore standen, bemerkt habe, wie ein in nächster Nähe seines Wagens stehender Husar ihn aufmerksam betrachtete. »Einen Augen­blick später nähert sich diesem Husaren ein in einen grauen Reiserock2) gekleideter Mensch und sagt ihm etwas in’s Ohr, wobei sie mich Beide genau ansehen. Mein Bruder fasste das letzte Wort ihres Gespräches auf: ligurischen, ligurien. Gleich darauf verschwanden Beide, indem sie zur Barriere giengen. Der Mann im grauen Reiserock sei später unter den Mördern gesehen und erkannt worden3).« Debry bestätigt die letzt­erwähnte Behauptung Boccardi’s, indem er in seinem »Narre fidele« sagt: »Es scheint eine Thatsache zu sein, die hier angeführt werden muss, dass ein gewisser Georges, der von *) *) Hüffer, Diplomatische Verhandlungen. 1II/2, 315. 2) Houppelande grise. s) Der Bericht Boccardi’s. Obser, a. a. 0., 230.

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