Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

112 Criste. Gefolges entwische und Rastatt all armiere, hätte dies eintreten. hätte einer oder der andere Diener, Fackelträger, Kutscher etc. unter dem Schutze der Finsterniss entkommen und Hilfe aus Rastatt bringen können. Die Thore der Stadt waren aller­dings besetzt, aber es ist bekannt, dass dadurch weder die Herren Boccardi, noch Rosenstiel oder die verschiedenen anderen Leute verhindert worden waren, von der Wache un­gesehen und ungehindert nach Rastatt zu gelangen. Da ist man doch gezwungen, zu fragen, warum denn die Szekler sich nicht einen von Rastatt entfernteren Ort gesucht, um ihre That zu verüben? Ihnen stand ja hiezu der ganze Weg bis an den Rhein zur Verfügung; ja, wenn sie die Wagen in der Nähe, des Stromes überfallen hätten, würde sich sogar der Verdacht der Thäterschaft leicht und fast von selbst auf Personen jenseits des Rheines gelenkt haben. Ist demnach schon die Art, wie die Mordthat von den Szekler-Husaren verübt worden sein soll, eine fast verblüffend ungeschickte, so ist der Ort der That womöglich noch ungeschickter ge­wählt und es müsste mit seltsamen Dingen zugegangen sein, wenn sich unter den vielen Husaren kein einziger gefunden hätte, auf diese aufgelegten Ungeschicklichkeiten aufmerksam zu machen. War jedoch der Mord nicht von den Szekler- Husaren begangen, sondern von sechs bis acht anderen Per­sonen, so kann weder die Art, wie die That ausgeführt worden, noch die Wahl des Ortes als ungeschickt bezeichnet werden. Die etwas schwerfällige Art der Ausführung war eben durch die geringe Zahl der Attentäter bedingt, die Wahl des Ortes aber durch seine verhältnissmässiggrosse Siche rheit vor Störung. Unmittelbar vor Rastatt brauchte man nicht umher­streifende Patrouillen zu befürchten, da ja die Stadt selbst und auch die vorliegenden Orte besetzt waren und die meisten Patrouillen selbstverständlich in der Nähe des Rheines streifen mussten. Traf dennoch irgend eine unvorhergesehene Störung ein, so lag Rastatt in nächster Nähe und konnte leicht, trotz der Wachen, erreicht werden. Wenn nun gar Mithelfer der Mörder, wenn die Mörder selbst unter dem Gefolge der französischen Gesandtschaft gesteckt haben sollten — und dieser Verdacht, der sich bei aufmerksamer Leetüre der verschiedenen abenteuerlichen Aussagen und bei aufmerksamer

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