Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 2. (1898)

Aufgelöste Fuss-Truppen - III. Die combinierten Grenadier-Bataillone

274 — Brigaden zugetheilt, sondern bildeten, je nach der Zahl der in einer Armee- Gruppe eingetbeilten Bataillone, eigene Grenadier-Brigaden oder -Divisionen. In dem Feldzuge 1809, beziehungsweise den Schlachten von Aspern und Wagram, bildeten 17 Bataillone in zwei Divisionen á zwei Brigaden, im Vereine mit einer Anzahl Cavallerie das Reserve-Corps, doch griffen Erstere sowohl bei Aspern, als Wagram an den zweiten Schlachttagen als selbstständiges „Grenadier-Corps” entscheidend ein. Mit 1. November 1852 wurde der bisher bestandene Verband der combinierten Grenadier-Bataillone aufgelöst und, da gleichzeitig jedes Linien­infanterie-Regiment in Hinkunft aus vier Feld-Bataillonen zu einer Grenadier- und fünf Füsilier-Compagnien zu bestehen hatte, die Zahl der ersteren um zwei vermehrt, wozu die zu ihren Regimentern einrückenden Grenadier- Divisionen zu gleichen Theilen den Stamm abzugeben hatten1). Diese vier Grenadier-Compagnien hatten integrierende Bestandtheile der Feld-Bataillone zu bilden und erhielten daher die für die Infanterie vor­geschriebenen Czako’s als Kopfbedeckung. Als Auszeichnung waren für alle Grenadiere an den Ueberschwung- riemen, den Patrontaschen und an den Riemen der letzteren „Granaten” an­zubringen. Alle Grenadiere, mit Ausnahme von zwei Corporalen und 16 Mann, welche als „Schützen” mit Kammerbüchsen und dem dazu gehörigen Hau- Bajonnett betheilt wurden* 2), erhielten Säbel. Die Grenadier-Compagnien hatten die Elite des Regiments zu bilden, sie formierten in jedem Bataillon die erste Halb-Division und traten daher an Stelle der 1., 7., 13. und 19. Füsilier-Compagnie. Sollten besondere Ver­hältnisse eine ausserordentliche Vermehrung des Heeres nothwendig machen, so hatte aus den vier Grenadier-Compagnien jedes Regiments (oder der hiezu spéci eil bezeichneten) ein eigenes Grenadier-Bataillon formiert zu werden. Die Besetzung der Offlciers-Stellen hatte, wde bisher, durch den Inhaber zu erfolgen; die Unterofficiere wrnrden aus dem eigenen Mannschafts-Stande der Grenadiere ersetzt, doch blieb es dem Regiments-Commando überlassen, verdiente Unterofficiere der Füsilier-Compagnien nach einem billigen Mass- stabe zu den Grenadieren zu übersetzen. Bei der Wahl der Mannschaft w'ar die Rücksicht auf das Mass den übrigen Anforderungen untergeordnet und hatten „ausgezeichnete Tapferkeit im Kriege und ganz vorzügliche Dienstleistung im Frieden”, jedem Soldaten, ohne Rücksicht auf Körpergrösse, die Eignung zum Grenadier zn verleihen. Es sollten daher principiell keine Recruten zu den Grenadier-Compagnien eingetheilt werden; würde dies aber aus Rücksicht auf die Standes-Verhältnisse der Füsilier-Compagnien sich als unbedingt nothwendig erweisen, so hatten solche Recruten, so wie etwa andere, ohne gehörige Garantie über ihre Eignung, von den Füsilier-Compagnien zur Standes-Ergänzung zu den Grenadiei-- Compagnien eingetheilte Leute, bei letzteren nur als: „zugetheilt” geführt zu wrerden und erhielten auch die höhere Löhnung des Grenadiers erst nach Ablauf eines Jahres, bei erwdesener Eignung3). Die Grenadiere sollten auch fernerhin für die entscheidendsten und ge­fährlichsten Unternehmungen bestimmt bleiben, mögen sie integrierende Theile der Feld-Bataillone bilden, oder regimenterweise in Grenadier-Bataillone vereint sein. Sie genossen dagegen wde bisher die Auszeichnung, in Fällen, wo sie als selbstständige Truppe auftraten, den Generalmarsch der Grenadiere auf Wachen und beim Empfang jener Vorgesetzten, welchen diese Ehrenbezeigung gebührte, zu schlagen und bei Ehrenwachen aller Art vorzugsweise verwendet zu werden. J) Die Fahne derselben wurde an jenes Regiment abgegeben, in dessen Stand der betreffende Bataillons-Commandant gehörte. 2) Selbe bekamen auch Achselwülste an den Waffenröcken. 3) In Kriegszeiten konnte jeder solche zugetheilt e Soldat, welcher bei einer Grenadier-Compagnie einer feindlichen Affaire vorwurfsfrei beigewohnt hatte, sogleich zum wirklichen Grenadier übersetzt werden.

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