Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

98 Sacken. Es bedurfte der umfassendsten Vorkehrungen und einer aus­gebreiteten (Korrespondenz, um diese Marschbewegung' entsprechend einzuleiten und deren ungehemmte Durchführung zu sichern. Namentlich musste für die Einleitung des Eisenbahn-Transportes durch Entsendung von Offioieren vorgedacht werden. Die Leistungsfähigkeit dieses Verkehrsmittels war noch eine sehr geringe; so konnten auf der Strecke Treysa—Cassel—Carlskafen täglich nur circa 2000 Mann, auf der Strecke Hildesheim—Lüneburg täglich etwa 3000 Mann befördert werden. In Folge dessen war die Theilung des Corps in schwache Marsch-Echelons nothwendig. Alle Regierungen der vielen zu durchziehenden Länder mussten avisiert und um die Bequartierung und Verpflegung der Truppen ersucht werden. Glücklicher Weise fand man überall, mit nur ganz wenigen Ausnahmen, ein freundliches Entgegen­kommen. Endlich war zu erwägen, dass der Marsch in der rauhesten Jahreszeit auszuführen war und an die Leistungs­fähigkeit und Abhärtung der Truppen bedeutende Anforderungen gestellt werden mussten. Die Marschstationen des Corps-Hauptquartiers waren: 29. De­cember Brückenau, 30. Fulda, 31. Hünefeld, 1. Januar: Hersfeld, 2. und 3. Rothenburg, 4. Melsungen, 5. Cassel. In analoger Weise erfolgte die Bewegung des Gros des Corps, während die Brigade Signorini und die Cavallerie - Brigade Blomberg auf den Nebenrouten, einerseits von Hersfeld über Sontra nach Göttingen, anderseits über Alsfeld, Ziegenhain nach Cassel sich bewegten. Der Empfang des Corps-Commandanten, der an der Spitze des ersten Echelons (3. Jäger-Bataillon, 1. Bataillon Wellington, Fuss-Batterie Nr. 9) in Cassel einrückte, war ein sehr feierlicher. Der G. d. C. Fürst Taxis mit seinem Stabe, dann sämmtliche preussische und kurhessische Stabsofficiere waren der Colonne eine Strecke entgegengeritten. In der Stadt wurden die k. k. Truppen auf dem Friedrichsplatze von Sr. königlichen Hoheit dem Kurfürsten empfangen, der nach bewirktem Aufmärsche die Front abritt und defilieren Hess. Nachdem sich der Kurfürst entfernt hatte, erschienen die neuernannten Bundes-Commissäre, der kaiserliche FML. Graf Leiningen und der königlich preussische GL. v. Peucker, um die

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