Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
54 Sacken. dort ausgehender Wiederstand würde sich brechen lassen, — aber von Seite der Preussen, welche mit grossen Truppenmassen in das Kurfürstenthum eingefallen sind und sich unserem Vorschreiten feindlich entgegenstellen. Sie haben uns Parlamentäre geschickt, jedoch mit Vorschlägen, die wir nicht annehmen konnten,*) da wir darauf bestehen müssen, dass die Preussen sich auf die con- ventionsmässige Benützung ihrer Etapen-Strassen beschränken und jedenfalls Cassel räumen. Sie haben uns hierauf erklärt, sie würden nicht angreifen, würden sich aber unserem weiteren Vorgehen widersetzen. Wir haben ebenfalls den Befehl, nicht anzugreifen, falls wir nicht angegriffen werden, aber doch uns durch die Preussen von unserem Vorrücken nicht abhalten zu lassen. Wir sind daher vorgerückt und haben das Hauptquartier vou Schlüchtern nach Flieden verlegt, die Preussen haben das, nunmehr von unsern Vorposten besetzte Dorf Neuhof geräumt, um auf den, hinter demselben liegenden Anhöhen, Posto zu fassen. Sie haben sich gestern abermals etwas zurückgezogen, haben aber die Briicken-Uebergänge, die nach Fulda führen, verschanzt und sehr stark mit Artillerie befestigt. Sie erklären, Widerstand leisten zu wollen. Wir wollen es heute versuchen, so weit als möglich gegen Fulda vorzudringen und beabsichtigen, das Hauptquartier mindestens nach Neuhof zu verlegen. Es ist aber wahrscheinlich, dass, wenn der Commandant der königlich preussischen Truppen, GL. Graf von der Grüben nicht noch Befehl aus Berlin erhält, sich zurückzuziehen, es zwischen heute und morgen zum Kampfe kommen werde, ln diesem Falle sind wir zu schwach, die sehr festen Stellungen der Preussen zu forcieren, oder selbst uns länger als einige wenige Tage zu halten. Der die Bundes-Truppen comman- dierende G. d. C. hat mich daher ersucht, Euer Excellenz zu bitten, insofern es Deren Instructionen gestatten, das unter Hoch- deren Befehl stehende Corps so zu dislocieren, dass es so nahe möglich gegen Brückenau vorgeschoben werde und falls die Feindseligkeiten beginnen, wovon ich die Ehre haben würde, Euer *) Bezieht sich offenbar auf jenen durch den k. preuss. Hauptmann Schaumburg überbrachten Antrag auf Abseliliessung einer Convention und Feststellung einer Demarcationslinie. (Oncken. Das Zeitalter Kaiser Wilhelm I., pag. 320.)