Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

246 Criste. Metternich folgende Weisung, die Napoleon am 27. März dictiert hatte, mit: Russland hat Preussen zum Abfall gedrängt, um mit ihm einen Krieg zu eröffnen und im Falle des Erfolges seine polnischen Pläne auszuführen, im Falle des Misserfolges Preussen zu opfern, wie es das zu Tilsit gethan hat. Triumphiert es, so wird es das ganze linke Weichsel-Ufer nehmen und Preussen in Deutschland entschädigen. Da Oesterreich den Frieden will, so muss es sofort handeln, sich an Russland wenden und alsbald Er­öffnung der Unterhandlungen verlangen. Während eines Waffen­stillstandes könnte verhandelt werden. England stünde es frei, auch einen Bevollmächtigten zu senden. Wenn einmal der Waffenstill­stand geschlossen sei, würden die Sprache und die Streitkräfte Oesterreichs bald den Abschluss des Friedens herbeiführen. Weigert sich Kaiser Alexander, zu unterhandeln, so schlagen wir vor: Oesterreich muss sich in diesem Falle auf den Untergang Preussens gefasst machen. Die Bevölkerung der preussischen Monarchie zählt 5 Millionen Seelen. Man würde daraus drei Lose machen. Eine Million bliebe Preussen auf dem rechten Ufer der Weichsel; zwei Millionen würden mit Oesterreich, die beiden anderen mit Sachsen und Westphalen vereinigt werden. Der schönste Theil würde Oesterreich zufallen. Schlesien, das sich an Böhmen lehnt und den besten und schönsten Theil der Besitzungen Preussens ausmacht, hat einen ganz anderen Werth, als die Gebiete, welche den Ver­bündeten Sr. Majestät abgetreten würden. Die Tage sind gezählt: in den ersten Tagen des Mai wird Kaiser Napoleon an der Elbe und Oesterreich im Stande sein, kräftig zu handeln und wir werden vereint die Russen und Preussen schlagen.1) Diesem Schachzuge des französischen Kaisers war Metternich durch die Weisung an Schwarzenberg nachdrücklich ausgewichen. Der Vorschlag Nar- bonne’s hatte denn auch gar keinen Erfolg; dafür sah und hörte der Gesandte Dinge in Oesterreich, die ihm keinen Zweifel an der künftigen Haltung dieses Landes übrig liessen. Der Hochadel und die Armee beneideten Preussen, das bereits den Krieg erklärt hatte. Hasserfüllte Schriften circulierten in allen Familien und forderten auf zum heiligen Krieg. Ueberall, in den Salons, in den Cafes, in den Strassen, in dem, was das Volk sagte, zeigte sich der Abscheu !) Lefébvre, Histoire des cabinets de i'Enrope. Paris 1866. 2. Aufl. V. 274. 275.

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