Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

vor Frankreich. Alles Unglück, welches über das Land gekommen, die Theuerung, den Geldmangel, schrieb man Frankreich zu. „Der Hass gegen uns,“ schrieb Narbonne, „grenzt an Wahnsinn.“ *) In die Gesinnungen des Grafen Metternich bezüglich des französischen Systems setzte er zwar noch volles Vertrauen, doch nur insoweit, als dieses zu einem Frieden führe; es schien ihm unmöglich, dass Oesterreich in einem Kriege eine andere Partei, als die gegen Frankreich nehmen könne.2) Seit den fortschreitenden Rüstungen wurden auch die An­zeichen immer drohender. Am 18. April hatte Narbonne dem österreichischen Cabinette eine Note des Herzogs von Bassano mit- getheilt, in welcher es hiess, dass Kaiser Napoleon, sobald er in seinem ersten Hauptquartiere in Deutschland angekommen sein werde, dem FML. Frimont durch einen Courier über Prag den Befehl zuzuschicken gedenke, den Waffenstillstand aufzukündigen. Dieser Befehl werde wahrscheinlich zwischen dem 22. und 25. über­schickt werden und es sei daher von der höchsten Wichtigkeit, dass General Frimont sich darnach richte.3) Auf den Wunsch Oesterreichs aber, das endlich sein Hilfs-Corps in Galizien frei haben wollte und nach einer besonderen Convention, die Lebzeltern mit dem Grafen Nesselrode am 29. März in Kalisch schloss, hatte der russische General Sacken am 12. April den mit dem Fürsten Schwarzenberg geschlossenen Waffenstillstand gekündigt, da, wie es in der Convention hiess, die Alliierten in ihrem Rücken und in ihrer Flanke unmöglich die polnische Armee des Fürsten Poniatowski dulden könnten. Auf die Meldung des FML. Frimont hierüber, erhielt er von Wien den Befehl, mit dem Corps den Rück­zug über die Weichsel anzutreten. Narbonne erfuhr desshalb zu seinem unangenehmen Erstaunen, dass General Frimont, ohne den durch den Waffenstillstand st; pu­derten Termin von 15 Tagen abzuwarten, also ohne zu wissen, 0 Lefébvre a. a. 0. S. 277. 2) Bignon, Ilistoire de France. XI. Bd. pag. 4t 1. Napoleon sagte auf 8t. Helena: ..Die Erfolge des Herrn v. Narbonne waren vielleicht mein Unglück. I)a sich Oesterreich durchschaut sah, warf es die Maske ab und beschleunigte seine Massregeln.“ „D’Autriche“, bemerkt Bignon hiezu, „ne précipita rien. Tout se fit chez eile avec ordre et chaque chose vint á son temps“. 3) Fain, Manuscript I. Bd. pag. 390.

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