Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 245 „könnte Oesterreich auch neutral bleiben ; doch würde es in diesem Fall einen schönen Moment versäumen, denn im Falle der Fortsetzung des Krieges wäre es sicher, Schlesien und Illyrien zu erhalten.“ Am Schlüsse seiner Berichte fasste Schwarzenberg seine Eindrücke über die Unterredungen mit dem Kaiser und dem Herzog v. Bassano folgendermassen zusammen : „Der Kaiser fürchte nichts so sehr, als einen Bruch mit Oesterreich; er fühle, dass dessen nothwendige Folge ein Krieg sein würde, dessen Ende schwer vorauszusehen sei. Desshalb wolle er auch die Ueberzeugung einflössen, dass der Friede das Ziel seiner theuersten Wünsche sei. Trotz der Heftigkeit, mit der sich der Herzog v. Bassano über den Abfall Preussens gegen Herrn v. Floret ausgelassen habe, spreche man ihm (Schwarzenberg) von dieser Macht nur mit der grössten Mässigung, seit er erklärt habe, dass der Kaiser von Oesterreich sich ganz besonders für ihre Erhaltung interessiere. In der Audienz wog der Kaiser sorgfältig seine Worte ab, als er sagte, durch Anwendung genügender Mittel hätte Oesterreich den Systemwechsel Preussens verhindern können und noch immer stehe es nur bei dieser Macht, Russland das Gesetz zu dictieren. Schwarzenberg meinte ferner, Napoleon würde selbst an der Spitze einer Armee noch immer einen Frieden annehmen, wenn er für Einbussen auf dem Festlande anderweitig durch England entschädigt werde. Oesterreich müsse jedenfalls seiner Vermittlung durch Aufstellung einer Armee von 80.000 Mann in Böhmen Nachdruck geben. Von der Aufstellung dieser Armee hänge das Schicksal Oesterreichs und das von ganz Europa ab. Der Kaiser beschleunige seine Reise, da er auf den Eindruck rechne, den sein Erscheinen an der Spitze von 220.000 Mann machen müsse, zu einer Zeit, da Alles glaube, dass er kaum vor Ablauf von 3 oder 4 Monaten eine Schlacht werde liefern können.“1) Unterdessen war der vertrauensselige Gesandte in Wien, Herr v. Otto2) durch den Grafen Narbonne ersetzt worden. Er theilte !) Die Berichte Schwarzenberg’s vollinhaltlich hei Oncken, II. Bd. Urkunden-Anhang. pag. 618 u. f. 2) „Die Berichte des Herrn v. Otto athmen eine so gute Gesinnung, als ob sie ihm von Metternich dictiert würden“ meinte General Bubna launig.