Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 239 stellt vor Euch, als das erbärmliche Corps des Generals Bertrand. Ihr braucht nichts zu fürchten, meine ganze Armee und die des Königs von Preussen werden mit Kraft handeln; setzt Euch in den Besitz von Tyrol, von Italien bis Mantua, ganz nach Belieben. Erklärt, dass Ihr lediglich Besitz ergreifen wollt von dem, was Euch gehört, dass Ihr nicht mit Frankreich Krieg führen wollt, dass Ihr Euch den Mächten widersetzen werdet, die es werden angreifen wollen; wir werden Euch in Allem beistehen! Schliesslich sprecht von einem allgemeinen Congress und endlich werdet Ihr in den Formen unterhandeln, die Euch Zusagen !a 1) Abgesehen davon, dass der Czar etwas viel verlangte von einem 30.000 Mann starken Corps, war diese Sprache sehr auf­richtig. Dem Kaiser von Russland konnte natürlicherweise nichts erwünschter sein, als wenn Oesterreich vorläufig auch nur mit 30.000 Mann in den Kampf trat. Nun kannte man diesen Plan in Oesterreich seit lange, ebenso die wahre Anzahl von Truppen, über die der Czar verfügte. Nach seinen decidierten Aussagen hatte er „zwischen der Weichsel und der Oder 150.000 Bajonnette (Officiere, Musik u. A. nicht eingerechnet und ohne leichte Truppen), 213.000 Mann zwischen dem Niemen und der Weichsel, ausserdem 75.000 Mann unter Tolstoy “ — im Ganzen also 438.000 Mann!2) Bekanntlich aber zählte das russische Heer, zweieinhalb Monate später, am Schlachttage von Bautzen, kaum 50.000 Mann!3) Selbst auf das Verwandtschaftsverhältniss des Kaisers Franz I. zu Napoleon versäumte der Czar nicht, schonend und zuvor­kommend hinzuweisen. Er sprach von der Zärtlichkeit, die der Kaiser für seine Tochter fühle und meinte, dass das Familienband, das Oesterreich und Frankreich umschlang, jedenfalls die An­sichten des österreichischen Kaisers beinflussen müsse. Er fügte dem betheuernd bei, dass er gewiss auf alle Massnahmen, die der Kaiser bezüglich der Kaiserin von Frankreich und des Königs von Rom zu treffen gedenke, eingehen werde. Lebzeltern ant­wortete darauf, dass der Kaiser gewiss die grösste Zärtlichkeit für seine Tochter empfinde, dass aber weder Familienbande, noch persönliche Interessen irgend welchen Einfluss nehmen könnten b Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Lebzeltems vom 8. März. 2) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Lebzelterns vom 8. März. *) Bernhardi, Denkwürdigkeiten Toll’s. II. Bd. pag. 481.

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