Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 235 Souverains. Ein erklärter Feind, sagte Napoleon dabei, sei ihm lieber, als ein immer zum Abfall bereiter Freund. 1) Napoleon war sich übrigens schon längere Zeit vollständig im Klaren über die künftige Haltung Preussens und sprach sich darüber in seiner Art zu Bubna aus, der über diese Unterredung am 1. März nach Wien berichtete. „Die Preussen“, sagte der französische Kaiser, „unterhandeln gegenwärtig mit Russland. Sie satteln um. Das ist keine Nation; sie haben gar keinen National- stolz; es sind die Gascogner Deutschlands. Sie drehen den Mantel nach dem Winde. (Les prussiens sont des éventuels.) Ich will nicht von ihrer Perfidie sprechen zur Zeit, da der Marschall Bellisle in Prag war; aber sie waren die ersten, die zur Zeit der Revolution mit uns unterhandelt haben. Sie haben uns im Stich gelassen; sie rüsten nach Umständen und rüsten wieder ab. Wir haben sie immer verachtet.“ Bubna vertheidigte die Sache Preussens, so gut er es vermochte. „Der Grund, welcher die preussische Regierung bestimmt, ihre Verfügungen zu ändern“, entgegnete Napoleon, „ist mir gleichgiltig, das Resultat ist das­selbe. Was ist denn das für eine Regierung, die sich durch das Drängen des Volkes zwingen lässt? Gerade so hat mir der König gegen seinen guten Willen im Jahre 1806 den Krieg gemacht. Schill ist gegen seinen Willen desertiert! Was heisst denn das? bei Euch ist das anders; Ihr seid eine Nation, Ihr habt einen Nationalstolz. Euer Kaiser hat mir in Dresden gesagt, dass er es war, der den Krieg wollte und nicht die Nation — gut! Man kann ja seine Gründe haben, um Krieg zu führen; das liegt in dem Gange der Angelegenheiten ; aber eine Regierung soll gezwungen werden, etwas gegen ihren Willen zu thun?“ Bubna lenkte das Gespräch auf die Aufregung der Völker und während der General von der Bewegung im Norden sprach und die Befürchtung ausdrückte, dass sie auch den Süden ergreifen werde, hörte der Kaiser unbeweglich zu. Als er aber sah, dass Bubna dieses Thema immer weiter spann, unterbrach er ihn un­geduldig. „Was wollen Sie! Es gibt kein Mittel, sie aufzuhalten! Wer weiss, was geschehen wird. Die Zukunft steht da oben geschrieben. Ich bin Fatalist, wie jeder Soldat; ich glaube an 1) Fain, Manuscript. I. Bd. pag. 89.

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