Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 231 abscheuungswürdige Grundsätze hätten oder aus solchen, die noch gefährlicher dadurch wären, dass sie eine Maske der Mässigung und Verständigkeit trügen. Zu den erstem gehörten, nach Stein, der General Kalkreuth, Prinz Wittgenstein und Graf Goltz — zu den letztem Oberst v. d. Knesebeck und Ancillon. *) Der Freiherr von Stein hatte mit immer grösserer Aufregung und Begeisterung das wachsende Missgeschick des gehassten Kaisers Napoleon im letzten Feldzuge verfolgt; nun, da der Imperator wankte, schien der heissersehnte Augenblick gekommen, um mit Hilfe Russlands ein grosses, einiges, deutsches Reich zu gründen. „Ich habe nur ein Vaterland“, schrieb er damals, „das heisst Deutschland und da ich nach alter Verfassung nur ihm und keinem be- sondern Theile desselben angehöre, so bin ich auch nur ihm und nicht einem Theile desselben von ganzem Herzen ergeben. Mir sind die Dynastien in diesem Augenblick grosser Entwicklung vollkommen gleichgiltig, es sind blos Werkzeuge; mein Wunsch ist, dass Deutschland gross und stark werde, um seine Selbstständigkeit und Unabhängigkeit und Nationalität wieder zu erlangen und beides in seiner Lage zwischen Frankreich und Russland zu behaupten ; das ist das Interesse der Natur und ganz Europas! . . . Setzen Sie an die Stelle Preussens, was Sie wollen, lösen Sie auf, verstärken Sie Oesterreich mit Schlesien und der Kurmark und dem nördlichen Deutschland, mit Ausschluss der Vertriebenen, reducieren Sie Bayern, Württemberg und Baden, als die von Russland begünstigtsten auf das Verhältniss vor 1802 und machen Oesterreich zum Herrn von Deutschland, ich wünsche es, es ist gut, wenn es ausführbar ist, nur denken Sie nicht an die alten Montagues und Capulets und an diese Zierden alter Rittersäle! . . ,“2) *) Martens, Becueil VII. Bd. pag. 71. Gneisenau schrieb um jene Zeit an den Freiherrn von Stein: „Sehen E. Ex. zu, welche Männer Sie an das Ruder bringen. Der Graf von Goltz hat seine leidige Wirksamkeit allein dem Umstande zu verdanken, dass E. Ex. ihn gegen den Rath Anderer beibehielten und der Beichtvater Ancillon hat, nur durch E. Ex. gehoben, seine hofmännisch-pfäfflsche Arglist anwenden können, um sich den gefährlichen Einfluss auf die Welthegebenheiten zu verschallen.“ Pertz, Das Lehen Gneisenau’s. II. Bd pag. 468. a) Brief Stein’s vom 1. December 1812 in „Lebensbilder aus dem Befreiungskriege.“ Jena. 1841. II. Abth. (Urknndenbuch.) pag. 241—242.