Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

212 Criste. 4. dass, zufolge dem Inhalt des mit Frankreich geschlos­senen Vertrages die Truppen zur einzigen und besonderen Ver­fügung S. M. des Kaisers Napoleon ’oder seines Stellvertreters, S. M. des Königs von Neapel bleiben sollen.“ ') Dem französischen Gesandten in Berlin, Herrn von St. Marsan gab man die bündigsten Versprechungen; ja, der König wandte sich sogar an ihn mit der Frage, ob er den Punct, welcher den zweimonatlichen Waffenstillstand betraf, annehmen solle oder nicht, worauf St. Marsan erwiderte, seiner Ansicht nach stehe diese Entscheidung dem Könige von Neapel zu. Friedrich Wilhelm III. * stimmte dieser Meinung bei und sagte, es sei nur recht und billig, dass der König von Neapel die Entscheidung in dieser Angelegen­heit treffe, denn das preussische Contingent gehöre dem Kaiser Napoleon, es sei desshalb Sache des Ober-Commandanten der fran­zösischen Armee, Befehle zu ertheilen.2) Napoleon nahm die Nachricht von dem „unglückseligen Er­eigniss“, wie der preussische Gesandte Krusemark die That Yorks nannte, gleichmüthig auf. Es scheint sogar, als wäre ihm dieser „Verrath“ sehr gelegen gekommen, denn nun hatte er einen Grund, neue Anforderungen an sein Reich zu stellen. „Nun werden grosse Massregeln noth wendig; das, was gestern hinreichend war, reicht heute nicht mehr zu. Unvorhergesehene Conjuneturen gebieten Opfer, die man vermeiden zu können glaubte. Die Unverschämtheit der Sieger über Ludwig XIV. und die Schmach der Verträge Ludwigs XV. scheinen uns noch einmal zu bedrohen. Es handelt sich darum, Frankreich von der Rückkehr dieser schmachvollen Zeiten zu bewahren!“3) Seine Redner im Senat verlangen sofort die Aushebung von 350.000 Mann neuer Truppen. Napoleon erklärte, er habe nichts zu fürchten, denn seine Hilfsmittel seien unerschöpflich; sein Budget werde ergeben, dass er für dieses Jahr über 1100 Millionen Einkünfte zu verfügen habe; die Fran­zosen seien mutlxig und voll Thatkraft und würden Alles thun, was er wolle. Im Nothfalle werde er selbst die Weiber bewaffnen!f) !) Fain, Manuscript. I. Bd, pag. 184. 2) Stem, Abhandlungen etc. pag. 408. 8) Aus der Rede des Herrn Regnault, bei Fain. I, pag. 40. 4) Oncken, Oesterreich und Preussen etc. I. Bd. pag. 89 u. f.

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