Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 213 Diese Forderungen, Drohungen und Verheissungen standen freilich nicht im Verhältniss zu der Bedeutung, die der Abfall eines nicht gerade ausschlaggebenden Hilfs-Corps beanspruchen konnte; sie erklären sich mehr aus der Unnachgiebigkeit und wohl auch aus der sehr richtigen Würdigung der eigenen Lage, die Napoleon zweifellos besass. Kriegslust ist dies nicht zu nennen, eine solche wäre auch weder von seiner Umgebung, noch vom französischen Volke getheilt worden. Diese waren vielmehr der fortwährenden Kämpfe und Siege und Eroberungen herzlich müde und sehnten sich darnach, nun einmal auch die Segnungen des Friedens zu geniessen. So schrecklich niederdrückend auch die Nachricht von der Katastrophe in Russland gewirkt, sie hatte doch einige Hoff­nung gegeben, dass nun Friede die Folge sein werde. Noch Anfang December 1812 schrieb Lefebvre-Rechtenourg an Metternich, man erzähle in Paris, Napoleon habe von Oesterreich eine neue Armee und Winter-Quartiere in Galizien und Mähren verlangt; diese Forderung sei jedoch abgelehnt und eine Mediation ange­tragen worden und da man diese angebliche Antwort als ein Vorzeichen des Abfalles ansehe, so werde die Nachricht, wie jede, die einige Hoffnung auf Frieden gewähre, mit Begierde aufge­nommen. 1) Ein von Napoleon so sehr gewünschter Kriegseifer wurde auch durch den Abfall York’s nicht geweckt und die oft in den überschwänglichsten Ausdrücken verfassten Ergebenheits-Adressen und die stattliche Anzahl von Freiwilligen, welche von den Städten gestellt wurden, täuschten nur den Kaiser selbst.ä) Aber man hütete sich wohl, ihm die „bittere Wahrheit“ zu sagen. „Meine Erfahrung hat mich vollständig überzeugt,“ schrieb Bubna an Metternich, „dass hierzulande keine bittere Wahrheit zum Ohr des Kaisers dringt, kann sie nicht durch Fremde vorgetragen werden. . . . . Alle, die den Frieden wünschen, werfen dem Bassano den Stein darüber, dass er so unbedingt sich schmieget und ganz in das Horn des Kaisers bläst, um die Gunst, die er nun vorzugs­weise hat, zu erhalten, aber keiner der friedlich Gesinnten würde an der Stelle des Bassano anders handeln, das glaube ich fest. Haas-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Befébvre’s v. 10. December 1812. a) Hans-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Floret’s vom 25. Januar 1813.

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