Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

204 Criste. sogar eine grosse Anzahl Truppen abgeben, welche den Stamm bilden sollten zur Formierung eines neuen, gewaltigen Heeres. *) Der Kaiser war zur Fortsetzung des Krieges mehr als je entschlossen. Schon die Unterredung, die er mit dem österreichischen General Grafen Bubna hatte, der von Napoleon am 31. December 1812 empfangen worden war, lässt darüber keinen Zweifel übrig. General Bubna, beauftragt, den Kaiser auszuforschen, wie er über die gegenwärtige Lage denke, hatte ihm den Friedensplan des österreichischen Cabinets bekannt zu machen und zu erklären, dass Oesterreich von einer thätigeren Mitwirkung an der Seite des französischen Kaisers als dies durch den Vertrag vom 14. März 1812 vereinbart worden, absolut nichts wissen wolle, endlich den Versuch zu machen, durchzusetzen, dass Napoleon die Ein­willigung gebe, das österreichische Hilfs-Corps so nahe als möglich an die österreichische Grenze zu bringen. 2) Napoleon erklärte bei dieser Gelegenheit natürlich, zum Frieden bereit zu sein, doch dürfe ihm dieser kein Opfer kosten. Portugal wolle er dem Hause Braganza zurückgeben, Spanien müsse im Besitze seiner Familie bleiben; seine Armee werde er zurückziehen, falls die Engländer Sicilien räumten, Neapel müsse seinem gegenwärtigen Beherrscher bleiben, keines der durch Senats­beschlüsse mit Frankreich vereinigten Länder wolle er aufgeben, ebensowenig das Herzogthum Warschau. Der Anspielung wegen der Verschiebung des österreichischen Hilfs-Corps wich er diplo­matisch aus. Vom Herzog von Bassano aber, mit dem Bubna ebenfalls darüber sprach, erfuhr er eine directe Weigerung, wesshalb er nach Wien schrieb, er glaube, Fürst Schwarzenberg ■werde sich schon selbst zu helfen wissen. 3) Wenn nun schon aus den Berichten Bubna’s klar hervorgeht, dass Napoleon an Alles eher, als an einen Frieden dachte, so wird dies noch mehr bestätigt durch einen Brief, den er am 7. Januar an den Kaiser von Oesterreich schrieb. In diesem Briefe erzählte er den Verlauf des Feldzuges von 1812 und legte dann die Mass­J) Fain, a. a. 0. I. pag. 29 u. f. 2) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Abgedr. bei Oncken a. a. 0. I. Band. Urkunden-Anhang S. 392. 3j Hans-, Hof-und Staats-Archiv. Bericht Bubna’s vom 17. Jänner 1813.

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