Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs z.ur Coalition im Jahre 1813. 205 regeln dar, die er ergriffen, „um die nöthigen Verstärkungen zu organisieren, die Verluste zu ergänzen und den neuen Einbruch in Russland mit einer Truppenmacht zu beginnen, die um ein Drittel stärker ist, als die im eben beendigten.“ Er rechnete auf ein Heer von fast 1 Million Soldaten und ersuchte den Kaiser, ihm ein zweites Corps von 30.000 Mann zur Verfügung zu stellen, wofür er sich bereit erklärte, Subsidien zu zahlen. Er sei zwar zum Frieden bereit, doch könne er dafür kein Opfer bringen. *) Der Entschluss zur Fortsetzung des Krieges stand also bei Napoleon unerschütterlich fest; davon waren nicht nur die fremden Gesandten, sondern auch die eigene Umgebung des Kaisers voll­ständig überzeugt. „Nichts verräth, dass man sich der Hoffnung hingibt, mit Russland einen Waffenstillstand zu schliessen“, schrieb Bubna. „Man spricht davon, mit den Russen im nächsten Feldzug einen methodischen Krieg zu führen; das Wort ist vom Herzog von Bassano“. Dabei fehlte es nicht an guten Lehren für Oesterreich. Dalberg erklärte, dass Oesterreich nichts so sehr zu fürchten habe, als einen Vergleich zwischen Frankreich und Russland; dass Kuratkin vor dem letzten Kriege eine Theilung der europäischen Türkei zwischen diesen beiden Mächten vor­geschlagen habe; dass Oesterreich jederzeit an Erfurt denken müsse u. dgl. 2) All’ dies machte die österreichische Politik in ihrem vor­gezeichneten Gange ebensowenig irre, wie das Drängen und Treiben der echten und unechten Patrioten, die Oesterreich zum Losschlagen mit einer ungenügenden Truppenzahl veranlassen wollten, was gewiss das geeignetste Mittel gewesen wäre, zu einem faulen Frieden zu gelangen. Vorläufig war man hier bemüht, seine volle Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit wieder zu erlangen und die Erreichung dieses Zieles hatten die öster­reichischen Gesandten immer energischer zu erstreben. „Das erste und unwandelbarste Interesse Oesterreichs“ heisst es in einer Weisung an Floret, „ist die Unabhängigkeit. Grosse Erfolge der einen oder der anderen kriegführenden Macht, ohne Er­!) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Abgedr. bei Oncken a. a. 0. Urkunden, Anhang I. pag. 393. 2) Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Bericht Bubna’s vom 8. Januar 1813. (En chiifres.)

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